Die Kür der schönsten linken Kleingärten

And the Winner is …

Krauts und Rüben – der letzte linke Kleingärtner, Teil 21.

Anzeige

Die Konkurrenz war hart. Doch nun stehen die Sieger des Wettbewerbs um den schönsten linken Kleingarten fest. Neben den Abonnements für die drei Erstplatzierten vergibt der letzte linke Kleingärtner zudem spontan zwei Sonderpreise. Und Überraschung: Auch alle anderen Mitbewerber sollen nicht ganz leer ausgehen. Die Jury – also ich, als Kleingärtner hat man es nicht so mit Demokratie und Teamarbeit – hat es sich wahrlich nicht leicht gemacht.

Als Gewinnkriterien habe ich vorwiegend Ordnung, Sauberkeit und durchdachte Planung berücksichtigt, so wie es sich für richtige Kleingärtner gehört. Schwierig war, die diskrete Quotenvorgabe der Redaktion einzuhalten: Frauen wie Männer, Ost- wie Westdeutschland, national wie international und politisch bitte auch noch.

Als Gewinnkriterien habe ich vorwiegend Ordnung, Sauberkeit und durchdachte Planung berücksichtigt, so wie es sich für richtige Kleingärtner gehört. Schwierig war, die diskrete Quotenvorgabe der Redaktion einzuhalten: Frauen wie Männer, Ost- wie Westdeutschland, national wie international und politisch bitte auch noch. Doch genug geredet, schreiten wir zur Siegerehrung: Platz eins geht an den ordentlichen Garten von Elke aus Sachsen-Anhalt. Jörg L. hat das Siegerfoto für seine »liebe Kollegin« eingereicht. Er bezeichnet das Grundstück als »ostdeutsche Gartenschönheit«, zu finden »in der traditionsreichen Bernburger Gartensparte (kein Witz!) ›Chemie und Kali‹, der größten in Sachsen-Anhalt«. Hier gefallen der Jury die klare Ordnung, die rechteckigen Flächen und der Gartenpfad. Im Hintergrund grüßt ein Gartenhaus. Leichte Abzüge gibt es für die umlaufenden Blumenbeete. Da aber der Nutzgarten mehr Fläche einnimmt als diese: Schwamm drüber. Weiterer Minuspunkt sind die drei Koniferen hinten links. Das sind pflanzliche Einwanderer, die wollen wir hier nicht. Klar, sie sind immergrün, aber sie riechen beschissen, nehmen den Nutzpflanzen Licht und Nährstoffe und werden zu groß. Sie müssen weg. Tipp: Die Gewinner des 2. Sonderpreises können unter Umständen helfen. Sie sehen so aus, als könnten sie mit ihrem schweren Gerät Bäume ausreißen. Das wäre kollegiale Hilfe unter Kleingärtnern.

Platz zwei geht an das Palettenhochbeet von Andreas P. aus Vlotho. Kleingärtner sind erfindungsreich. Es gibt nichts, was sie nicht verwerten können, nichts, was sie nicht instand setzen können: »Weiß der Gärtner keinen Rat, nimmt er Bendel oder Draht.« Was für Menschen außerhalb des Kleingartenkosmos Abfall ist, hat für sie eine zentrale strategische Bedeutung. Das Hochbeet aus dem Abfallprodukt Paletten ist noch aus zwei anderen Gründen zum zweiten Sieger gekürt worden: Es ist quadratisch, da hüpft das Kleingärtnerherz, denn Ordnung muss sein. Zudem ist das Beet mit ­dicker Folie ausgelegt, was den Vorteil hat, dass die Erde nicht durch die Ritzen in den Paletten davonrieselt und noch dazu gewärmt wird, was wiederum das Wachstum der Pflanzen beschleunigt. Kompliment und Gratulation.

Platz drei geht an die blaue Bank von Sebastian E. aus Osnabrück. Franz Marc malte »Der Turm der blauen Pferde«. Hier steht vor dem leicht verfallenen Gartenhäuschen eine liebliche blaue Bank. Die Gartenstruktur ist im Prinzip ordentlich angelegt. Die Sträucher links vom Pfad sind vermutlich Johannisbeeren. Als Kleingärtner habe ich genug Phantasie, um zu sehen, was hier alles an Nutzpflanzen wachsen könnte. Wunderschön. Der Garten braucht ein bisschen Pflege. Das sollte an einem Wochenende machbar sein. Vielleicht wirkt der dritte Platz motivierend.

Der erste Sonderpreis geht an Kleingärtner in Griechenland. Nur Deutschland zu berücksichtigen, wäre öde. Nicht nur deshalb habe ich mich über die Einsendung von Kalo P. und Bettina K. aus Promyri gefreut. Sie haben mir Fotos von ihrem Garten mit anarchistischen Einsprengseln zugesandt. Punktabzug gibt es, weil hier Blumen und anderes Gedöns überproportional vertreten sind. Der letzte linke Kleingärtner ist ein Freund der Nutzpflanze.
Der zweite Sonderpreis geht an das »autonome Gartenkollektiv« aus Halle. Es tritt zu zehnt an, was für einen Kleingärtner eine unvorstellbare Menschenmasse ist. Positiv vermerkt die Jury, dass die Aufnahme auf einer gartenähnlichen Fläche entstand und dass das Kollektiv über allerhand nützliche Gartenwerkzeuge verfügt: Astschere, Motorsäge, Gießkanne, Grabgabel. Negativ fällt dem Kenner selbstverständlich sofort auf, dass mit dieser Kleidung keine Gartenarbeit zu schaffen ist. Der Preis ist also eine Ermutigung, der Pose Taten folgen zu lassen und vielleicht Anregungen bei Platz eins, zwei und drei einzuholen. Die Jury kann Kontakte vermitteln.

Zum Schluss bleibt dem letzten linken Kleingärtner nur noch eines: besten Dank zu sagen an alle, die mitgemacht haben.