Das zwiespältige Verhältnis Marine Le Pens und ihrer Anhänger zum Euro

Für Markt und Euro

Die bei den französischen Präsidentschaftswahlen unterlegene Rechtsextreme Marine Le Pen wettert gern gegen den Euro, doch den Franc hätte sie nicht so schnell eingeführt.

Kommentar Von Detlef zum Winkel
Anzeige

Marine Le Pen hat es nicht geschafft. Erleichterung macht sich breit, in Frankreich ebenso wie bei seinen Freunden, von denen es in Europa nicht wenige gibt. Auch an der Börse atmet man auf. Wirtschaftsvertreter äußern ihre Zufriedenheit, die Konjunktur ist gerettet, die Geschäfte können weitergehen. Ist Emmanuel Macron also wirklich der Mann des großen Geldes, wie Le Pen im Gleichklang mit vielen Linken behauptet? Feiern die Banken ihren Sieg?

Viele Kommentatoren haben eindringlich den ökonomischen Schaden beschworen, den eine rechtsextreme Präsidentin anrichten würde. Dann könnten die Märkte den Euro in nur 48 Stunden zerstören, hieß es etwa im Spiegel. Die Schlagzeile klingt wie eine Erpressung seitens des allmächtigen Kapitals, um seinem Liebling Macron zu helfen. Doch das wirkliche Leben ist manchmal ganz anders. Aus Angst vor der Einführung einer schwachen Landeswährung, meinte der Berliner Ökonom Henrik Enderlein in realistischer Einschätzung der Gemütslage, würden französische Bankkunden ihre Konten räumen und zu vermeintlich sicheren deutschen und schweizerischen Instituten wechseln. Da geht es auch und besonders um den Kleinbesitzer, der ein Haus mit Garten sein Eigen nennt, um den fest in der Tradition verwurzelten Handwerker, Kaufmann, Kneipenwirt, um verschuldete Unternehmer, schwergewichtige Schauspieler, Schlager-Oldies.

Aus ihnen rekrutiert sich die Stammwählerschaft des Front National. Sie schluchzen vor Ergriffenheit, wenn Marine Le Pen die ­alten Zeiten beschwört, als Frankreich noch Herr seiner selbst war und seine Währung selbst drucken konnte. Aber sie denken gar nicht daran, 10 000 Euro gegen 100 000 Franc einzutauschen. Sie wären die ersten, die ihr Bares nach Saarbrücken und Karlsruhe tragen, falls sie es nicht schon getan haben, und darauf pochen würden, an der Grenze nicht kontrolliert zu werden.

Wenn es ums Geld geht, wissen Nationalisten und Faschisten instinktiv ihren persönlichen Vorteil zu wahren. Deshalb wollte Le Pen ihre Anhänger beruhigen, als sie am Ende des Wahlkampfs versicherte, mit der Einführung des Franc habe sie es nicht eilig. So verhasst der Euro auch sein mag, der Wähler will ihn doch lieber behalten. Das wusste schon Norbert Hofer (FPÖ), der dem Thema bei der österreichischen Präsidentschaftswahl konsequent aus dem Weg ging. Vorher durfte Syriza in Griechenland die gleiche Erfahrung machen. »Dieser Euro ist gescheitert«, formuliert die AfD daher vorsichtig und versteckt ihr Ziel hinter einer Feststellung, mit der sie sich selbst widerlegt. Wäre er wirklich gescheitert, würde die Partei selbstverständlich seine Abschaffung fordern. Aber die Ost-Mark will dort auch niemand wiederhaben.

Eine Katastrophe ist am 7. Mai ausgeblieben. Frankreich ist nicht die USA. Diesmal ist es den Rechtsextremisten nicht gelungen, ihre Kandidatin an die Spitze einer Atommacht zu befördern. Nachdem die force de frappe fast schon vergessen worden war, konnte sie in den vergangenen Wochen ihr Abschreckungspotential auf ungeahnte Weise entfalten. Erschreckt wurden allerdings nicht äußere Feinde, sondern die Demokraten Frankreichs und Europas. Das gefährliche nukleare Spielzeug sollte entsorgt werden, bevor es in falsche Hände gerät. Dadurch würden dann auch die Ressourcen frei, die Frankreich für den von Macron versprochenen Neuanfang braucht.