31.07.1997

Monster beleben die Börse

Münchner Fusion begründet die zweitgrößte deutsche Bank: Hypo- und Vereinsbank

Bayern ist überall. Nachdem trübes Weißbier und salzige Brezeln - Berliner KneipengängerInnen mögen das bezeugen - ihren Siegeszug in Preußen angetreten haben, kann nun im Süden auf den größten Coup der bundesdeutschen Bankengeschichte angestoßen werden: Immerhin ist durch die Fusion von Bayrischer Hypotheken- und Wechselbank und Bayrischer Vereinsbank in der vergangenen Woche die zweitgrößte bundesdeutsche und fünftgrößte europäische Bank enstanden. Name: Hypo- und Vereinsbank. Zusammengenommen verfügt die neue Großbank über eine Bilanzsumme von 743 Milliarden Mark und gut 40 000 Beschäftigte. Noch.

Die Stärke der neuen bayrischen Großbank liegt vor allem in der Präsenz in Süddeutschland, aber auch in den angrenzenden Regionen, darunter auch in Tschechien und der Slowakei. Zudem haben beide eine starke Position im Hypothekengeschäft - zusammen sind sie der größte Immobilienfinanzier Europas. Allerdings sind auch die Schwächen evident: Die Präsenz im Norden ist nicht sonderlich ausgeprägt - in der Region Berlin/Brandenburg beispielsweise beschäftigt die Vereinsbank lediglich 380 MitarbeiterInnen; international fehlt ein Standbein im Investment-Geschäft, wie es sich Deutsche und Dresdner Bank mit der - wenn auch zunächst verlustreichen - Übernahme britischer Investment-Gesellschaften geschaffen haben.

So erscheint die Möglichkeit wahrscheinlich, daß sich das Fusionskarussell - jüngst sind bereits die NordLB und die Berliner Bankgesellschaft zusammengegangen - auch in der deutschen Privatbanken-Landschaft weiterdreht und noch größere und einflußreichere Geld-Konzerne entstehen. Branchenkenner spekulieren bereits, daß die Dresdner Bank mit der Münchener Großbank zusammengehen könnte. Vorteil: Erstere ist in Deutschland flächendeckend und auch am Finanzplatz London vertreten. Eine ernstzunehmende Konkurrenz für die übermächtige Deutsche Bank, was deren Chef Rolf E. Breuer schon mal als "Monster-Bank" bezeichnet. Für die Monster-Variante spricht jedenfalls das Engagement der Allianz. Der Versicherungskonzern ist nicht nur Großaktionär bei der Hypo-Bank; auch bei der Dresdner Bank kommt niemand an dem 22prozentigen Anteilseigner vorbei.

Damit dürfte in Deutschland ein Prozeß eingeleitet werden, der nach der Liberalisierung der Finanzmärkte in den USA und kleineren europäischen Ländern bereits vollzogen wurde: die Herausbildung riesiger nationaler Banken, die auch durch Übernahmen und strategische Allianzen international tätig sind. Immerhin liegt der Marktanateil der drei größten deutschen Privatbanken - Deutsche, Dresdener und Commerzbank - in ihrem Heimatland bei gerademal 13 Prozent; die 1990 in den Niederlanden entstandene ABN AMRO besitzt 40 Prozent aller Bankaktiva.

Solche Aussichten sorgten für Hochstimmung an der Börse. Am Tag nach der Bekanntgabe der Fusion sprang der Branchen-Dax Banken um 8,7 Prozent nach oben. Bei den direkt Beteiligten war es sogar noch mehr: Die Hypobank legte um 10,1 Prozent, die Vereinsbank um 11,6 Prozent zu.

Womit sich ein alter Slogan bestätigt: Wenn Aktien steigen, fallen Menschen - zumindestest aus dem Arbeitsprozeß. Denn daß die bayrische Banken-Liaison - wie bei Fusionen üblich - ein enormes Rationalisierungspotential in sich birgt, ist unbestritten: Rund 20 Prozent der Stellen, schätzt die HBV, dürften hier in naher Zukunft gestrichen werden.