04.09.1997

Ein Dollar pro Nase

So ein paar Mark oder Dollar Spekulationsgewinn wünschen sich auch die 900 Millionen Menschen in Asien, die in bitterer Armut leben, wie die Weltbank jetzt in ihrem Bericht "Jedermanns Wunder? Eine Betrachtung der Armut und Unausgewogenheit in Ostasien" zugeben muß. Für die katastrophalen sozialen Folgen der kapitalistischen Modernisierung findet die Weltbank ausgewogene Worte. Die Unausgewogenheit bei der Einkommensverteilung nehme "nach 30 Jahren des asiatischen Wirtschaftswunders wieder zu", so die Weltbanker.

Konkret: Zwei Drittel der Ärmsten der Welt leben in Asien, sie haben weniger als einen US-Dollar täglich zur Verfügung, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Ausbildung und halbwegs anständiger Ernährung, erkennt die Weltbank. Nicht ohne lapidar festzustellen, daß sich die jüngsten Währungsturbulenzen - erst in der vergangenen Woche löste die Malaise des malaysischen Ringgit wieder drastische Kursstürze aus - vornehmlich in den Lebensbedingungen der Armen niederschlagen. Wie gut, daß Weltbank und IFW nichts mit ihren eigenen Sanierungsdiktaten zu tun haben.