04.09.1997

Ein Königreich für einen Airbag!

Mercedes, BMW, Volkswagen - sie alle haben Grund zum Jubeln. In diesem Jahr wird die deutsche Automobilindustrie etwa fünf Millionen Blechkisten produzieren - fast soviele wie im Boomjahr 1992, als Oberkeynesianer Helmut Kohl mit seiner deutsch-deutschen Einszuzwei-Währungsunion nicht nur die ostdeutsche Industrie plattmachte, sondern auch die Nachfrage nach westlichen Konsumgütern stimulierte. Unzählige Ossis fuhren kurzerhand ihren Trabbi oder Wartburg in den Wald und stellten sich Golf oder Opel vor die Tür. Da aus diesen kleinen VereinigungsgewinnerInnen mittlerweile große VerliererInnen geworden sind, die keinen Job und kaum Kohle haben, haben es die Auto-Konzerne nun auf das Ausland abgesehen. 60 Prozent der in Deutschland produzierten Vehikel werden exportiert, 1991 waren es weniger als die Hälfte. Nun wird weiter produziert, was das Zeug hält, und sogar ein paar neue Arbeitsplätze - allerdings zeitlich begrenzt - sind schon dazugekommen.

Allerdings: Die Konkurrenz schläft nicht, weiß der realkapitalistische Volksmund - und hat recht. Bereits zur Jahrtausendwende könnten, sollten weltweit alle Pläne zur Kapazitätserweiterung realisiert werden, 22 Millionen Chaisen mehr gebaut als verkauft werden, prognostiziert der Economist. Da die zahlungskräftige Kundschaft fehlt, sind also riesige Überkapazitäten vorprogrammiert. Daß eine noch billigere und schlankere Produktion die nächste Absatzkrise vermeiden läßt, das glauben die Manager selber nicht. Aber die haben ja ihren Airbag.