04.09.1997

Standort Mallorca? Scheiß drauf!

Während es an der Börse auf und ab geht und die Broker, die eben noch selbstsicher was von "Konsolidierung der Kurse" schwafelten, langsam kalte Füße bekommen, steigt eine andere Kurve so steil nach oben, daß westdeutschen Managern trotz Herbstanfang ganz warm ums Herz wird: Der deutsche Export bricht alle Rekorde. Im ersten Halbjahr dieses Jahres erhöhte sich das Exportplus im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel auf 58 Milliarden Mark. Grund: der relativ hohe Dollar- und Pfundkurs. Allerdings sollte der Dollarstand - er lag im Juni beispielsweise durchschnittlich bei nur 1,73 Mark - nicht übergewertet werden: Das Managerglück ist hausgemacht. Mit den harten Rationalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre wurden zigtausend Arbeitsplätze vernichtet und die Produktivität erhöht.

Positiv nicht nur die Handelsbilanz des Standortes Deutschland, auch das Defizit in der Leistungsbilanz, in die auch Kapital- und Devisentransfers einbezogen werden, sank: von 6,3 auf 4,8 Milliarden Mark. Aber auch das können die Defizitkiller im nächsten Jahr erstmals hinbiegen. Die Methode ist denkbar einfach: Urlaub streichen. Das erhöht die Produktivität, und die Lohnabhängigen hätten keine Zeit mehr, ihre paar Kröten sinnlos auf Mallorca zu verplempern.