02.10.1997

Unternehmen schlechtgerechnet

Daß die deutsche Industrie die Unternehmen gerne arm rechnet, auch wenn sie dabei Äpfel mit Birnen vergleichen muß, weiß jeder. Trotzdem macht sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) immer viel Mühe, nachzuforschen und konkret aufzuzeigen, wo dabei ein bißchen - oder auch ein bißchen mehr - geschwindelt wird. So auch in der vergangenen Woche, als der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) behauptete, den 43 Milliarden Mark an Steuerentlastungen, die die Unternehmen seit 1983 erfahren hätten, stünden mindestens ebenso hohe Zusatzbelastungen gegenüber. Richtig, erklärte DGB-Finanzexperte Hans-Georg Wehner. Aber nur, wenn man "schiere Selbstverständlichkeiten" wie das Auslaufen des Berlinförderungsgesetzes nach der Wende, die Kappung von Steuersparmodellen und die Erhöhung des pauschalen Lohnsteuersatzes für Teilzeitarbeit mitrechne, sowie vernachlässige, daß beispielsweise die erhöhten Mineralölsteuern größtenteils auf die Verbraucher abgewälzt werden konnten.