Ruhe im Karton will die SPD haben. Warum sonst hätte sie ausgerechnet jetzt, ein Jahr vor der Bundestagswahl, einen Gesetzentwurf zur Umlagefinanzierung von Ausbildungsplätzen in den Bundestag eingebracht? Danach sollen sämtliche Betriebe ab einer bestimmten Größe und Ertragsfähigkeit paritätisch nach Bruttolohnsumme und Gewinnhöhe an der Ausbildung beteiligt werden - wer nicht selber die gemeinsam errechnete Anzahl von Lehrlingen aufnimmt, muß Abgaben in entsprechender Höhe in einen gemeinsamen Fonds einzahlen, der den Unternehmen zugute kommt, die mehr ausbilden als verlangt. Das Modell, das seit Jahren erfolgreich in der Baubranche erprobt wird, war nicht nur von Gewerkschaften, sondern auch von sozialdemokratischen Sozialpolitikern und Jusos immer wieder eingefordert worden.
Die Initiative fällt allerdings in eine Zeit, wo niemand damit rechnen kann, sie gegen die Gegner in der Regierungskoalition durchzusetzen. Und das ist für die SPD auch gut so: Denn einerseits sind die Enkel nun besänftigt, andererseits muß man nicht befürchten, ausgerechnet den Kanzlerkandidat-Kandidaten Gerhard Schröder, der sich bislang eindeutig von der Umlagefinanzierung distanziert hat, allzusehr zu brüskieren.