04.12.1997

Meidet die Döner, Ossis!

Im Osten geht die Sonne auf. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) macht jetzt den Ossis Hoffnung auf baldige Besserung. Die Mehrzahl der Ostunternehmen gehe zuversichtlich in das neue Jahr, so das IW. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen wollten die Produktion steigern, knapp die Hälfte mehr investieren, und allenthalben werden steigende Gewinne erwartet. Daß es, wenn es Kapitalisten gutgeht, den Lohnabhängigen nicht unbedingt so gehen muß, das haben die Ossis zwar im Staatsbürgerkunde-Unterricht gelernt, aber wieder vergessen. Auch im nächsten Jahr dürften netto weitere 30 000 Arbeitsplätze im Osten abgebaut werden. Im Mai noch war die Welt in Ordnung. Ein sogenanntes Bündnis für Arbeit Ost war eigens von Bundeskanzler Helmut Kohl geschmiedet worden, jährlich 100 000 neue Arbeitsplätze im Osten dadurch zu schaffen, daß westliche Handelsriesen aufgefordert wurden, Würstchen aus Eberswalde, Haloren-Kugeln aus Zschkopau und Küßchen aus Grabow einzukaufen.

Seitdem ist viel geschehen: Just 100 000 Menschen östlich der Elbe haben ihren Job verloren, die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 20 Prozent. Änderung nicht in Sicht. Gute Nachrichten also für Gollwitzer und Dolgenbrodter. Wer keinen Job hat - da sind sich Manfred Stolpe von der SPD und Ellen Brombacher von der Kommunistischen Plattform in der PDS einig - darf sein, was er oder sie ist: ein rassistisches Arschloch. Ein Umstand, den nach Westberlin pendelnde Ossis, die Nichtdeutsche vom Arbeitsmarkt verdrängt haben, leidvoll erfahren müssen. Unzählige Opfer, die von den Medien verschwiegen werden, damit es nicht zum Bürgerkrieg kommt: Täglich werden in Kreuzberger und Neuköllner Slums - Ausländerarbeitslosigkeit bei über 30 Prozent - alle, die irgendwie ostdeutsch aussehen oder riechen, von Pitbulls zerfleischt, mit Goldkettchen erdrosselt, mit Knoblauch vergiftet, von Cabrios zu Tode gehetzt und im Dönerladen aufgespießt. Meidet die Döner, Ossis!