Früher spielten die Klugscheißer, von denen alle Mütter annahmen, daß sie prima Spielgefährten für ihre Kinder abgeben würden und die man deswegen auch trotz Stubenarrests besuchen durfte, am liebsten "Denk fix". Dabei mußte man eine Karte ziehen, auf der beispielsweise "Eine Blume" stand und dann mit einem Drehgerät einen Buchstaben ermitteln. Landete man z.B. auf dem "B", dann bekam derjenige, der zuerst "Begonie", "Butterblume" oder "Bissnelke" rief, die Karte. Derjenige mit dem höchsten Kartenstapel gewann schließlich.
War kein Denk-fix im Haus, dann wollten die Besserwisser trotzdem nicht rausgehen und den blöden Harald von nebenan in die Brennesseln schubsen, sondern lieber drinnen bleiben und "Memory" spielen. Mütter unterstützen diesen Vorschlag gewohnheitsmäßig, weil ihnen gesagt worden war, daß dieses Spiel für die Entwicklung ihrer Brut von außerordentlichem Vorteil wäre, deswegen wurden dann schließlich die kleinen Karten hervorgeholt und umgedreht. Sich zu merken, wo denn das kleine süße Kätzchen oder die gezeichneten Autos oder die Tomate oder das Schiffchen liegen, ist sehr langweilig - aber kleine Besserwisser lassen sich von schwer angeödeten Spielgefährten nicht beeindrucken, deswegen wurde Karte um Karte umgedreht, bis das Spiel endlich vorbei war. Mit viel Pech kam das kleine Ekel dann auf die Idee, "Stadt, Land, Fluß"" zu spielen, aber dann war es meistens endlich Zeit, nach Hause und ins Bett zu gehen.
Aus kleinen Besserwissern werden große Besserwisser, aber die hatten zunächst nichts zu spielen, denn bei allen angebotenen Spielen handelte es sich in der Regel um solche, bei denen nur das Würfelglück entschied, was definitiv unter der Würde eines Klugscheißers ist. Dann jedoch kam "Trivial Pursuit" auf den Markt, ein Wissen-Loswerde- und Besserwisser-Spiel ersten Ranges. Fragen aus sechs verschiedenen Gebieten mußten dort beantwortet werden - schnell stellte sich jedoch heraus, daß "Trivial Pursuit" ein schrecklich langweiliges Spiel mit ziemlich voraussehbaren Antworten ist. In der Edition, die zu Beginn der achtziger Jahre herauskam, lag man nie falsch, wenn man jede Frage nach einem Politiker entweder mit "Adenauer" oder "Franz Josef Strauß" beantwortete, hatte die Person eine Vorliebe für Pepitahüte und Boccia, dann war sie Adenauer, besaß sie einen Flugschein oder war sie in den USA in einen Prostituiertenskandal verwickelt, dann konnte es sich nur um FJS handeln.
Ähnlich funktionierte das Trivial Pursuit-Prinzip auch auf dem Gebiet der Kunst. Die richtige Antwort lautete meist "Breughel", nur zwei Mal mußte man differenzieren, zwischen dem Höllen- und dem Samt-und-Blumen-Breughel.
Um Menschen mit eher wenig Allgemeinbildung (oder zu schwacher Konzentration, um sich Adenauer, Strauß und Breughel zu merken) vorzuführen, eignete sich das Spiel jedoch prima, so daß es schon beinahe gewohnheitsmäßig hervorgekramt wurde, wenn die blöde Freundin vom Bruder zu Besuch kam ("Ach, natürlich kannst du das, mach dir keine Sorgen") oder man den dringenden Wunsch hatte, jemandem mit der Antwort auf die vier Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig, plasma) zu imponieren.