Was vor zehn Jahren im Osten noch gut lief - schließlich wurden Kondome nur verschämt unter der Ladentheke von Drogerien gehandelt -, hat nun ausgedient: der Versand von Präservativen. Der Dresdener H.Kästner-Versand, dessen diskret-muffige Werbung in jeder Ostzeitung präsent war, stellt zum Jahresende seinen Betrieb ein. Grund: der rapide Rückgang an Bestellungen, in diesem Jahr liefen nur noch 1 800 ein. Zu DDR-Zeiten waren es jährlich noch zwei Millionen. Daß die Ossis - nur weil sie ihre Päckchen-Mondos nicht mehr mögen - nun vor lauter Vereinigungsverliererfrust weniger vögeln würden, ist noch nicht bewiesen. Fakt aber ist: Sie brauchen mehr Stimulation. Die Erotik-Shop und - Videotheken schossen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden, und auch der H.Kästner-Versand ist mit der Zeit gegangen: Sein Erotik-Engagement wird ausgebaut.