Vom Osten lernen, heißt siegen lernen. Bis vor kurzem bestaunten ganze Legionen von Unternehmern, Wirtschaftswissenschaftlern und -politikern die asiatischen Wunderkinder. So nebenbei diente das Erfolgsmodell auch dazu, alte Abhängigkeitstheorien zu entsorgen. Daß die Übermacht der kapitalistischen Metropolen eine erfolgreiche Modernisierung von sogenannten Entwicklungsländern verhindern könnte, schien endgültig ins Reich der Sagen und Märchen zu gehören. Die Musterschüler von gestern sind mittlerweile die größten Sorgenkinder. Thailand, Südkorea, Indonesien und Hongkong bescherten ihre steilen Wachstumskurven nur eine Unabhängigkeit auf Pump.
Nachdem die faulen Kredite platzten, hängen diese Staaten jetzt am Tropf der internationalen Organisationen. Die vom IWF rasch bereitgestellten 100 Milliarden Dollar verpufften bisher wirkungslos und sollen nun verdoppelt werden. Um weitere Mittel zu erhalten, müssen sich die einstigen Tiger nun gefügig zeigen. So plant der südkoreanische Wirtschaftsminister eine Gesetzesnovelle, die es dem internationalen Kapital erlauben soll, einheimische Banken zu erwerben. Nachdem die Regierung bereits auf Empfehlung des IWF die Landeswährung Won vollständig freigegeben hat, folgt sie nun auch seinem Rat, die Obergrenze für Marktzinsen von 25 auf 40 Prozent zu erhöhen.