19.02.1998

Kapitale Auswirkungen der Krise in Südostasien

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird wegen geringerer Importe der Tigerstaaten1998 voraussichtlich um 0,3 bis 0,5 Prozent geringer ausfallen als bisher erwartet. Weitere Währungsabwertungen infolge der Krise, insbesondere des Dollar und des Yen, stehen noch aus, so daß sich das BIP nach einer Schätzung des Economist um ein Prozent geringer erhöhen dürfte als vorausgesagt. Die realen Produktionsrückgänge in der Krisenregion werden dagegen mit ein bis drei Prozent relativ gering ausfallen. Das amerikanische und europäische Kapital profitiert unterdessen massiv von der Krise, und das nicht nur als Kreditgeber. Durch die abgesackten Währungen und Aktienkurse werden die Firmen in Südostasien immer billiger. Der koreanische Autoproduzent Daewoo mußte eine Kooperation mit General Motors eingehen und steht kurz vor der Übernahme. Büros, Grundstücke und Unternehmen kosten in Thailand, Indonesien und Malaysia nur noch die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Um ihre Verschuldung abzubauen, ihre Eigenkapitalbasis aufzustocken und ihre Kreditwürdigkeit wiederherzustellen, müssen die asiatischen Unternehmen derzeit Anlagevermögen und Unternehmensteile weit unter ihrem Wert verscherbeln. Betroffen sind auch die Produzenten von Luxusgütern aus Europa. BMW mußte seit Jahresbeginn Verkaufseinbußen von 50 bis 70 Prozent in Thailand, Indonesien und Malaysia hinnehmen.