12.03.1998

Schocktherapie in China

Führungsstrukturen in der chinesischen Wirtschaft sollen künftig den neuen marktwirtschaftlichen Bedürfnissen angepaßt und rund die Hälfte der rund acht Millionen Staatsbeschäftigte entlassen werden, kündigte zu Beginn des Volkskongresses in Peking vergangene Woche Premierminister Zhu Rongij an. Alle Industrieministerien sollen demnach aufgelöst und fast alle 68 000 Staatsbetriebe privatisiert werden. Bis zum Jahr 2 000 sollen sich nur noch knapp 600 der Betriebe in staatlicher Hand befinden, der Rest wird der Marktwirtschaft überlassen.

Allein im staatseigenen Textilsektor werden bis dahin 1,2 Millionen, in der Stahlindustrie 500 000 Arbeitsplätze gestrichen; ähnliche Pläne gibt es bereits für die Bereiche Kohle, Maschinenbau und Rüstung. Zwischen acht und zehn Millionen Menschen werden in den nächsten Jahren von den Staatsunternehmen entlassen, die so entstehende neue Arbeitslosigkeit "sei unvermeidlich auf dem Weg von der Plan- zur Marktwirtschaft", erklärte Premier Zhu Rongij. Doch dies dürfte nur der Anfang sein. In die Schocktherapie eingeschlossen sind auch die überschuldeten staatlichen Banken, die bisher die maroden Staatsbetriebe finanzieren mußten. Künftig sollen sie ihre Darlehen nur noch nach strengen Prüfungen der Wirtschaftlichkeit vergeben - was für Tausende Unternehmen den Bankrott bedeuten wird.

Die Regierung ist dennoch optimistisch, daß ihr Wirtschaftsprogramm bald Erfolge zeigen wird. Zur Eröffnung der Tagung hatte Ministerpräsident Li Peng ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent und eine Inflation von drei Prozent vorausgesagt. Allerdings habe sich die Finanzkrise in Asien negativ auf den Außenhandel und die Auslandsinvestitionen ausgewirkt.