08.04.1998

Gewinner und Verlierer

Der Anteil der Unternehmer und Kapitaleigner am gesamten Volkseinkommen ist im vergangenen Jahre um 1,8 Prozent gestiegen, während der Arbeitnehmeranteil um 1,7 Prozent gesunken ist, wie die im März veröffentlichten Angaben des Statistischen Bundesamtes belegen. Auch die Unternehmerbeiträge zur Sozialversicherung haben sich nicht erhöht, was vor allem auf die 620 Mark-Jobs zurückzuführen ist; bezogen auf die Gewinne sind sie sogar gesunken. Hinzu kommt, daß die Unternehmer nach Feststellungen der Bundesbank kaum noch Steuern zahlen. Steueroasen im Ausland (Luxemburg, Docks of Dublin, belgische Coordination Center) werden, obwohl die betreffenden Staaten dies auf dem EU-Beschäftigungsgipfel in Luxemburg selbst angeboten hatten, wegen der Intervention von Kohl und Waigel nicht geschlossen. Aber nicht die höheren Unternehmergewinne sind das Problem, sondern die Tatsache, daß den kleinen und mittleren Einkommen nicht genügend Kaufkraft zufließt: Die inländische Nachfrage nach Gütern und Diensten wird immer geringer - während gleichzeitig rund 80 Prozent der Produktion von der Binnennachfrage abhängig ist. Der private Verbrauch kann jedoch nur gesteigert werden, wenn es zu deutlichen Beschäftigungszuwächsen kommt. Eine Änderung auf dem Arbeitsmarkt ist allerdings auch nicht von dem gegenwärtigen Exportboom zu erwarten. Die exportorientierten Großunternehmen sind stark automatisiert und schaffen nur begrenzt neue Jobs.