General Motors, laut Herald Tribune der größte Automobilhersteller der Welt, wurde letzte Woche gezwungen, seine Produktion in Nordamerika größtenteils vorübergehend einzustellen. Grund dafür ist ein Streik der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW) in zwei Fabriken in Flint, Michigan. Da diese beiden Fabriken unter anderem Türen und Kühler für ganz Nordamerika herstellen, ist die Autoproduktion durch den Streik auch in anderen Fabriken unmöglich.
Die Arbeiter befinden sich seit dem 5. Juni im Streik, der sich vor allem gegen geplante Entlassungen richtet. In den vergangenen zwanzig Jahren wurden von den einst 76 000 Arbeitern in Flint 41 000 gefeuert; einige dieser Arbeitsplätze wurden im Zuge des Freihandelsabkommens Nafta nach Kanada oder Mexiko verlegt, wo die Produktions- bzw. Lohnkosten geringer sind.
Jetzt sollen weitere 11 000 Beschäftigte ihren Job verlieren - eine verheerende Nachricht auch für die Stadt, die einst als Hauptstadt der amerikanischen Autoproduktion galt und jetzt eher wie eine Hauptstadt der Arbeitslosigkeit wirkt. In den letzten zwei Jahren fanden in Flint sechs Streiks statt; viele Arbeiter glauben, daß GM ihre Niederlassungen in Flint ganz schließen möchte - auch weil die Gewerkschaft UAW dort sehr stark ist. GM behauptet, es gehe nur darum, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter nicht schnell und flexibel genug arbeiten würden. Gewerkschafts- wie auch GM-Vertreter waren sich immerhin in einem Punkt einig: Ein schnelles Ende des Streiks ist nicht zu erwarten.