01.07.1998

»Inländerdiskriminierung« am Bau

Rund 2 000 Bauarbeiter und Unternehmen haben vergangene Woche in Berlin gegen "Inländerdiskriminierung" und illegale Beschäftigung demonstriert. Jeder dritte Bauarbeiter in der Region Berlin sei ohne Job, klagte die mittelständische Fachgemeinschaft Bau, die zu der Aktion aufgerufen hat. Die Ursache dieser Entwicklung sieht Kaspar-Dietrich Freymuth, Präsident der Fachgemeinschaft, in dem "völlig ungeregelten Zustrom ausländischer Billiglohnarbeite" . Er forderte die Bundesregierung auf, Arbeitsgenehmigungen künftig nur noch an ortsansässige Malocher zu vergeben. Für die Fachgemeinschaft beginnt demnach das feindliche Ausland gleich hinter Königswursterhausen; neben den EU-Billigarbeitern müßten konsequenterweise auch deren sächsischen oder schwäbischen Kollegen mit abgeschoben werden.

Für Unmut bei den Demonstranten sorgte auch, daß sich Unternehmerverbände wie Gewerkschaften von der Aktion distanziert hatten. So gab der Landeschef der IG Bau, Klaus Pankau, zu bedenken, daß die Forderung "Arbeit zuerst für Einheimische" in "bedenklicher Nähe zu Wahlparolen rechtsgerichteter Organisationen" stehen würde. Auch die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) warnte vor der Teilnahme an der Demonstration; die Parole "Vorrang für Einheimische" könne allzu leicht "mißverstanden" werden. IHK und IG Bau blieben allerdings die Antwort schuldig, um welches "Mißverständnis" es sich hier noch handeln könnte - und worin der Unterschied zur Nazi-Parole "Arbeit zuerst für Deutsche" liegen soll.