Nur eine Woche hat die Erholung des Yen gedauert, und schon fällt die japanische Währung wieder in den Keller. Für einen Dollar mußten zeitweise bis zu 143 Yen gezahlt werden - nach der spektakulären Intervention der US-Notenbank vor zwei Wochen lag der Kurs kurzzeitig bei 135. Doch der japanische Finanzsektor steckt so tief im Schlamassel, daß mit einer schnellen Besserung nicht mehr zu rechnen ist.
Das Finanzministerium in Tokio hat nun vergangene Woche die Summe der "Problem-Kredite" mit rund 90 Billionen Yen (1,15 Billionen Mark) beziffert - dreimal soviel, wie bisher zugegeben wurde. Besonders Kreditinstitute, die sich auf die langfristige Finanzierung von Industrieunternehmen spezialisierte haben, sind davon betroffen. So muß die Long Term Kredit Bank (LTCB), die zweitgrößte Langzeit-Kreditbank des Landes, rund 18 Milliarden Mark an ausbleibenden Forderungen abschreiben. Der Kurs der LTCB fiel auf 50 Yen pro Aktie - auf dem Höhepunkt des Börsen-Booms vor zehn Jahren wurden sie noch mit 2 820 Yen notiert. Um den Bankrott zu verhindern, soll die LTCB mit einem anderen Großbank, der Sumitomo Trust & Banking, fusioniert werden.
Als Reaktion auf die dramatische Entwicklung will die japanische Regierung bis zu den Oberhauswahlen am 12. Juli das Konzept einer Überbrückungsbank vorstellen, um den maroden Finanzsektor zu sanieren. Damit sollen die Liquidität angeschlagener Banken gesichert und Gläubiger geschützt werden. Rund 140 Milliarden Mark werden dafür zur Verfügung stehen. Angesichts der immer noch ungeklärten Gesamtsumme der faulen Kredite ist zu bezweifeln, daß die Summe ausreicht, um einen Banken-Crash abzuwenden.