08.07.1998

Glückliche Arbeitslose

Die Arbeitslosenzahlen sind im Juni um rund 120 000 auf knapp vier Millionen gesunken. Insgesamt gab es in den letzten vier Monaten 740 000 Erwerbslose weniger, wie Kanzleramtsminister Friedrich Bohlen vergangene Woche verkündete. Der Wirtschaftsaufschwung sei damit "auf dem Arbeitsmarkt angekommen". Und: Der Trend werde sich bis zu den Bundestagswahlen im Herbst unvermindert fortsetzen. Dann sei mit einer Zahl deutlich unter vier Millionen zu rechnen.

Der Rückgang dürften allerdings vor allem auf die Spendierfreudigkeit der Bundesregierung zurückzuführen sein. Nach Angaben des DGB wurden zwei Drittel der neuen Jobs durch zusätzliche Mittel bei ABM-Stellen, Fortbildung und Arbeitsförderung geschaffen. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung die Ausgaben für Arbeitsprogramme drastisch gesenkt, u.a., um das Staatsdefizit vor dem Euro-Beitritt zu reduzieren.

Von einem Aufschwung der Konjunktur mit positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist auch nach Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin nichts zu sehen. Als wichtigste Gründe nannte das Institut die schwache Inlandsnachfrage und die Asienkrise, die sich noch negativ auf Europa auswirken werde.