Nach dem massiven Kursverfall des Rubel hat die Moskauer Zentralbank den Devisenhandel Ende vergangener Woche vollständig ausgesetzt. Nun will sie die Notenpresse anwerfen, um die Kreditfähigkeit der Banken zu erhalten. Zudem berichtete die Agentur Interfax über Pläne der Regierung, von Exportunternehmen zwangsweise Devisen einzutreiben. Ministerpräsident Jewgeni Primakow hatte vor kurzem versichert, daß Rußland seine Auslandsschulden unter allen Umständen begleichen werde. Notfalls werde sie dafür auch zu Zwangsmaßnahmen greifen. Im Inland steht die Regierung insbesondere wegen der seit Monaten ausstehenden Löhne und Gehälter unter Druck. "Die sozialen Spannungen im Lande haben eine gefährliche Grenze erreicht", erklärte Primakow.
Das Drucken neuen Geldes werde Rußland jedoch nicht aus der Krise führen, sondern in eine massive Geldentwertung stürzen, warnte der US-Vize-Finanzminister Lawrence Summers. Notwendig seien Einsparungen im Staatshaushalt und eine Neuordnung des Bankenwesens. Nur wenn Rußland diese Reformen umsetze, werde es neue Hilfen aus dem Westen geben. Die hat Primakow auch dringend nötig. Der IWF hat bereits weitere Hilfen für Rußland auf Eis gelegt. Ursprünglich sollte das Land ein Kreditpaket in Höhe von 22,6 Milliarden Dollar erhalten.
Derzeit versucht der neue Ministerpräsident verzweifelt, die katastrophale Stimmung unter den ausländischen Gläubigern und Investoren wieder aufzubessern. Rußland unternehme alle Anstrengungen, so Primakow, damit sich der Zustrom ausländischer Investoren vergrößere. Er könne verbindlich erklären, "daß wir unseren ausländischen, darunter auch unseren deutschen Partner, keine Überraschungen bereiten werden". Vielleicht aber doch. Der tschechische Ministerpräsident Havel erklärte auf einer Pressekonferenz in den USA, daß die Krise in Rußland seiner Ansicht nach mindestens noch 50 bis 100 Jahre dauern werde.