Die Sozialdemokraten unter den EU-Finanzministern wollen zwei halbe Kugeln zum Rollen bringen. So jedenfalls kann man den österreichischen Finanzminister Rudolf Edlinger verstehen, der am Sonntag in Brüssel ein gemeinsames Papier aller sozialdemokratischen EU-Finanzminister vorstellte. Die Währ-ungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die weiterhin unter natinaler Verantwortung stehende Wechselkurspolitik seien zwei Hälften einer Kugel, erklärte Edlinger.
Das Papier zur Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Währungsunion, das auch Oskar Lafontaine unterzeichnet hat, wurde bereits während der britischen EU-Präsidentschaft initiiert und trägt nicht nur dem Titel nach ("Der Neue Europäische Weg") eine "New Labour"-Handschrift: Zwar wollen die sozialdemokratischen Kassenwarte die Wirtschafts-, Finanz-und Steuerpolitik stärker koordinieren und die Lohn- und Preispolitik mit Arbeitgebern und Gewerkschaften abstimmen. Auch ermahnen sie die EZB, daß die Geldpolitik der Beschäftigung zu dienen habe. Andererseits schwört das Papier das sozialdemokratische Europa auf eine Fortsetzung der bisherigen "Stabilitätspolitik" ein; es lobt die "positive Wirkung der Liberalisierung des Kapitalverkehrs", befürwortet "härtere Maßnahmen zur Eindämmung" von Budgetdefiziten und will sozialstaatliche "Rechte mit Pflichten verbinden".