Der Name Monica Lewinsky wurde innerhalb weniger Wochen zu einem der bekanntesten der Welt. Die Details dieses Falles sind so einzigartig und typisch amerikanisch, daß es vielleicht für jemanden außerhalb der USA schwer zu verstehen ist, wie es dazu kam. Dem Präsidenten der Vereinigten Staaten droht die Amtsenthebung, weil er unter Verdacht steht, in einer Befragung über seine Affäre mit der White House-Praktikantin Monica S. Lewinsky gelogen zu haben.
Vor vier Jahren wurde ein Sonderermittler, Kenneth W. Starr, berufen, um ein vor etwa 20 Jahren getätigtes Grundstücksgeschäft zu untersuchen, bei denen die Clintons Geld verloren hatten. Dieser Sonderermittler entdeckte nach einer vier Jahre dauernden und 40 Millionen Dollar verschlingenden Untersuchung Hinweise auf die Affäre zwischen Clinton und Lewinsky. Von den ersten Stunden des Bekanntwerdens dieser Geschichte an, wurde sie einer unnachgiebigen Berichterstattung unterzogen und verdrängte praktisch alle anderen Nachrichten.
Einige Wochen später, am 4. Februar 1998, flog Monica Lewinsky nach Los Angeles, um ihren Vater zu besuchen. Ich entnahm diese Nachricht der Morgenzeitung und rief CNN an, um die Adresse der Lewinskys zu erfragen und fuhr sofort los. Zum Glück erlaubte die Polizei nur eine einzige Fernsehkamera, und die ganze Szene geriet nicht zu einem Massenauflauf: 30 Journalisten standen herum und warteten auf irgend etwas. Eine Frau, die sehr unfreundlich wurde, als ich sie auf Video aufnahm, versuchte den Austausch von Funktelefon-Nummern zu organisieren. Falls es zu einer Autojagd kommen sollte (man ging davon aus, daß sie irgendwann zum Essen fahren würden) und nur einer in der Lage wäre, an dem Auto der Lewinskys dranzubleiben, könnten alle das Restaurant finden. In der Tat waren später so viele Presseleute vor dem Restaurant versammelt, daß Monica aussah, als ob sie gleich losweinen würde, als sie sich ihren Weg durch die Kameras zu ihrem Auto bahnen mußte. Ich verpaßte dieses Ereignis, weil ich zu einem Kurs über europäische Fotogeschichte mußte - außerdem hatte ich kein Handy.
Monica Lewinsky blieb acht Tage bei ihrem Vater. Während dieser Zeit fuhr ich sechsmal dorthin, um die Wachen an den Straßenecken aufzunehmen, welche die Medien täglich Zehntausende von Dollar kosteten. (1) Am 5. Februar fuhr ich nach einem Seminar zum Überwachungsort, wo ich offensichtlich die große Aufregung um die Arbeiter verpaßt hatte, die kamen, um eine Wasserleitung unter der Straße zu reparieren. (2) Was diese Zigarrenbanderole anbelangt, finde ich leider meine Notizen nicht. Ich las sie möglicherweise am 12. Februar auf. Erst bei meiner Ausstellung im Frühling bemerkte ich, daß die Banderole wahrscheinlich von einem der Stars meines (Dokumentar-) Videos stammt - und das einige Monate, bevor Zigarren zu einem wesentlichen Bestandteil des ganzen Skandals geworden waren. (3) Die konzentrierte Medienpräsenz wirkte auch auf einige andere sehr anziehend, die glaubten, etwas zu sagen zu haben und hofften, ein breiteres Publikum erreichen zu können, wie zum Beispiel dieser junge Präsidentschaftskandidat (dessen Chancen, wie er selber zugab, sehr gering waren: Als er 1996 kandidierte, bekam er keine einzige Stimme). (4) Die Pressemitarbeiter hatten viel Zeit, Zeitung zu lesen. (5) Ich glaube, dies war der Tag, als O.J. Simpson auf dem Weg, seinen Sohn Justin ein paar Häuser weiter von Freunden abzuholen, kurz hier anhielt, um den Journalisten "Guten Tag" zu sagen. (6) Ich fand diese Kondomverpackung am 12. Februar (dem Tag, an dem Monica zurück nach Washington flog) um 17 Uhr in der Gosse direkt vor Bernard Lewinskys Haustür.