Der Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, hat einen Vorschlag gemacht: Der Reichstag solle, ginge es nach ihm, zukünftig "Plenargebäude" heißen. Mit der Beibehaltung der alten Bezeichnung entstünde eine Assoziation zum Reich, das nicht mehr existiere. Dem deutschen Volke und seinen Vertretern sind derlei Assoziationen zwar nicht fremd, sie führen aber in der Regel keinesfalls zu Befremden. Die Volksvertreter standen daher auf, und der Sturm brach los: "Den Reichstag umzubenennen ist ein Stück Geschichtslosigkeit", erregte sich der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky; der SPD-Spitzenkandidat zu den Abgeordnetenhauswahlen, Walter Momper, gab zu Protokoll, der Reichstag sei "kein funktionaler Zweckbau", und der Parlamentarische Geschäftsführer der Berliner CDU, Volker Liepelt, bekannte: "Ich habe kein Problem mit dem Namen. Der Reichstag hat von seiner Gründung her ein demokratisches Fundament." Den Schlußstein des von Paul Wallot entworfenen Gebäudes hat 1894 am damaligen Königsplatz ein Demokrat vom Schlage Liepelts gelegt: Kaiser Wilhelm II.