04.08.1999

»Gegen die Musealisierung!« - »Zwischen Kantine und Toilette!«

Über die Weimarer Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" streiten der Künstler Via Lewandowsky und die Ausstellungsmacherin Eva Schüler.

Zwei Monate lang sorgte die Weimarer Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne" für Aufregung im deutschen Feuilleton. Als zentrale, dreiteilige Ausstellung zur deutschen Kunst im 20. Jahrhundert war sie angelegt - doch während die beiden ersten Teile kaum Aufmerksamkeit erregten, sorgte der Ausstellungsteil "Offiziell und Inoffiziell - Die Kunst der DDR" des Kurators Achim Preiß, Westimport aus Wuppertal und Architektur-Professor an der Bauhaus-Universität in Weimar, für Furore.

Mit einer Klage versuchte die Künstlerin Elena Olsen durchzusetzen, daß ihre beiden Bilder aus der Ausstellung entfernt werden. Während das Landgericht Erfurt entschieden hatte, die dichte Hängung verletze das Urheberpersönlichkeitsrecht von Frau Olsen, endete die Berufungsverhandlung vor dem Zweiten Zivilsenat in Jena vergangene Woche mit einem Vergleich. Dem Kompromiß zufolge haben die Kunstsammlungen zu Weimar zwar das Recht, die Bilder zu zeigen, verzichten aber darauf, diese wieder aufzuhängen. Andere Abhängungs-Happenings waren dem vorangegangen - und in seltener Einigkeit qualifizierten die Medien Hängung und Kontext der Ausstellung als eine "Verhöhnung" der Kunst aus dem Osten. Viel wurde diskutiert - nur Künstler und Ausstellungsmacher kamen nicht einmal im öffentlichen Gespräch zusammen - sei es, weil die Künstler nicht wollten, sei es, weil die Berliner Podiumsdiskussion am 5. Juli, die die Debatte zum Abschluß brachte, unter Ausschluß der Weimarer KuratorInnen lief.

Eine von ihnen ist Eva Schüler(26), Preiß-Studentin in Weimar und angestellt beim Veranstalter der Ausstellung, den Kunstsammlungen zu Weimar. Die Ausstellungskonzeption der gelernten Maurerin aus Thüringen ist Teil ihrer Diplomarbeit, mit der sie gerade ihr Architekturstudium in Weimar abschloß. Mit Eva Schüler diskutierte und resümierte der Künstler Via Lewandowsky (36) für die Jungle World "Die Kunst der DDR" und die Debatte um sie.

Der heute international renommierte Künstler Lewandowsky, dessen Plastik "Gebrochene Glieder brechen leicht" den Abschluß der Weimarer Ausstellung markiert, begann seine Karriere in den achtziger Jahren als Performance-Künstler in der Gruppe der "Autoperforationsartisten" in Dresden. Im September 1989 kehrte Via Lewandowsky im Rahmen der Ludwigshafener Ausstellung "Junge Dresdener Kunst" der DDR den Rücken. Zwei Jahre arbeitete er mit Stipendium in New York - heute lebt er meist im Westteil von Berlin. Aus der Diskussion um die Ausstellung hielt er sich bisher heraus, sein Werk ließ er nicht entfernen. (F. v. K.)

Der Streit um die Weimarer Ausstellung begann mit einem Artikel von Eduard Beaucamp in der FAZ - kurz nach Ausstellungseröffnung am 9. Mai. Die Leipziger Malerfürsten um Bernhard Heisig oder Werner Tübke seien in der Weimarer Ausstellung gemeinsam mit 500 weiteren Bildern "in einer Rotunde zusammengepfercht und in einer Wegwerfgeste auf die Müllhalde der Geschichte" befördert worden, protestierte Beaucamp. Nach der Berliner Diskussion am 5. Juli kann man inzwischen das Resümee der Debatte ziehen: Endlich einmal zog die Westpresse in seltener Einigkeit gegen die Arroganz eines Westlers - des Kurators Achim Preiß - zu Felde und verwies ihn in seine Schranken. Richtig?

Eva Schüler: Angeschoben wurde die Diskussion eigentlich durch den MDR, also ein Ostmedium. Vor der Eröffnung hatten wir einen guten Kontakt, auch zu den Westmedien, zu Spiegel und stern, und da war die Reaktion erstmal eher lobend.

Aber man interessierte sich nur für die ersten beiden Teile der Ausstellung über den Beginn der Moderne und über die Nazizeit. Der dritte Teil wurde von der Westpresse nicht beachtet. Nach den sehr kritischen Reaktionen in der Ostpresse - mit dem Eröffnungstag - schwieg die Westpresse dann erstmal ganz. Keiner wollte sich in die Nesseln setzen. Bis Herr Beaucamp einstieg.

Via Lewandowsky: Was soll dieses Gerede über die Presse? Die Presse hat die Ausstellung nicht gemacht.

Schüler: Wir haben die Ausstellung für das Publikum gemacht, das an dem gesamten Presserummel keinerlei Anteil nahm. Die Besucherzahlen sind sehr hoch und blieben die gesamte Zeit konstant. Die Leute kommen aus ganz Europa. Man muß sich ihre Reaktionen im Gästebuch angucken. Oder direkt hingehen: Die Leute sitzen in der Rotunde auf den Stühlen, sind einander wildfremd und fangen an, miteinander über die Bilder zu reden. Darüber also, worüber das akademische Publikum und die Presse kein Wort verliert.

Lewandowsky: Daß die Art der Präsentation das Ostpublikum nicht irritiert, kann ich mir vorstellen. Die sind nichts Besseres gewöhnt.

Schüler: Ganz im Gegenteil. Diese enge, experimentelle Hängung ist dem Westpublikum vertrauter als den Ostlern.

Via Lewandowsky, Deine Plastik steht noch in der Ausstellung. Warum?

Lewandowsky: Ich habe mich nicht weiter darum gekümmert. Ich bin auch nicht gefragt worden. Aber man wird ja auch nicht überall gefragt, wo aus irgendwelchen Sammlungen Stücke von einem auftauchen.

Zur Kritik der Künstler gehört, daß sie über die Ausstellung ihrer Bilder nicht mal informiert worden seien.

Lewandowsky: Das ist doch Schwachsinn. Man kann doch wegen des Materials aus Archiven oder Sammlungen nicht 500 Leute anschreiben. Das sind wirklich merkwürdige Koalitionen, die sich da unter den Künstlern gebildet haben. Plötzlich sprechen Dissidenten und Staatskünstler mit einer Zunge.

Für Künstler wie Olaf Nicolai ist diese Koalition ein großes Ärgernis: Grauenhaft finde er, sagte er mir, daß er jetzt plötzlich in einer Phalanx mit den Malerfürsten stehe.

Lewandowsky: Das wäre mir wiederum egal. Diese ganze DDR-Zeit ist so weit weg - inzwischen ... aber, na gut, jeder bewertet das anders: Für Nicolai, der ja auch den Ostkünstler a priori darstellt, hat das natürlich mehr Bedeutung. Ich habe immer versucht, zu sagen: Okay, das ist meine Vergangenheit, aber damit muß man sich nun auch nicht immer und ewig auseinandersetzen. Es gibt neue Dinge.

Aber zurück zu der Ausstellung: Ich habe den Eindruck, das Team um Eva Schüler trägt weit mehr Verantwortung dafür als der Kurator Achim Preiß. Eigentlich hat das das Arbeitsteam, das da undercover als die neue Ost-Generation diese Ausstellung aufgebaut hat, inszeniert. Und meine Kritik ist einfach, daß Ihr das alles ein bißchen nachlässig gemacht habt. Wenn man etwas nicht bewältigt, macht man eine Comic-Parade daraus. Man haut das einfach zusammen. Eduard von Schnitzler vom "Schwarzen Kanal" - zu dem hätte so eine Ausstellung gepaßt.

Also doch der Vorwurf: Wie die Ausstellung "Entartete Kunst"?

Lewandowsky: Ach, Quatsch, diese harten Töne sind doch Humbug. Eva Schüler sollte nur zugeben, daß ihr Sargdeckel auf der DDR-Kunst ein bißchen klemmt. Ich habe nichts gegen ein Spiel mit Materialien in einer Ausstellung. Man darf auch simulieren, täuschen, widerspenstige Kontexte setzen, Werke in unpassenden Vitrinen zeigen, alles, was die Museumsmacher in den Wahnsinn treibt. Man kann das aufbrechen - aber man muß es bewußt machen. Und hier habe ich das Gefühl, das ist so zwischen Kantine und Toilette entstanden. Ihr solltet einfach zugeben, daß in Eurer Ausstellung das Schwitzwasser runterläuft, weil die Luftfeuchtigkeit zu groß ist.

Schüler (lacht): Das ist reine Verleumdung.

Lewandowsky: Moment, ein Satz noch: Die DDR war eine versiegelte, eiserne Zeit, d'accord, aber sie war in sich stimmig. Und das habt Ihr nicht gezeigt und auch nicht zeigen wollen.

Und Deine Antwort, Eva Schüler, auf dieses desaströse Resümee?

Schüler: Hingehen und anschauen!

Die Vorwürfe sind: Der Sargdeckel sitzt schief - die Ausstellung ist nicht durchdacht. Zweitens, der Blick auf die DDR ist eindimensional. Drittens, die Ausstellung ist nicht vom Westler Preiß, sondern von jungen Ost-Architekten gemacht worden.

Schüler: Der Sargdeckel wurde nachträglich von den Künstlern selbst schief auf die DDR draufgelegt. Durch den Rückzug ihrer Werke. Aber es ist richtig, daß er von Anbeginn etwas schief lag. Es gab ein stimmiges Konzept, aber es gab nicht das Geld dafür. Trotzdem sagten wir uns: Wir müssen das machen. Wir müssen diesen Krempel endlich aus dem Depot rausholen. Weil ihn keiner mehr kennt. Meine letzte DDR-Kunst-Ausstellung habe ich mit 14 Jahren gesehen.

Lewandowsky: Das ging mir nicht anders. Es war schrecklich.

Schüler: Man hat sich damals eher für Henry van de Velde und den Expressionismus interessiert. Dann bin ich vor zwei Jahren zufällig ins Depot in Beeskow gekommen und war erstaunt über die Masse der Bilder. 17 000 Werke liegen da, angekauft von der DDR. Natürlich auch viel schlechtes Zeug.

Lewandowsky: Mir erzählte kürzlich eine Frau, daß sie immer Bindehautentzündung gekriegt hat, wenn sie in den Westen fuhr. Wegen der ganzen Buntheit und Helligkeit. Also sei vorsichtig mit Deinen Urteilen über gute und schlechte Kunst. Unter welchen Kriterien habt Ihr denn Eure Wahl getroffen?

Schüler: Preiß hat zu den Sammlungsleitern in Beeskow oder Köln gesagt: Stellt uns das Beste zusammen. Und wir haben daraus nochmals eine Auswahl getroffen. Nach den ganzen Vorwürfen habe ich mir jetzt nochmal Ausstellungskataloge nach 1949 angeschaut, und da ist mir das helle Grausen gekommen. Wenn wir so eine Ausstellung rekonstruiert hätten, dann wäre längst nicht so feine Kunst zusammengekommen wie die, die jetzt in Weimar hängt.

Lewandowsky: Eine rekonstruierte Ausstellung wäre zumindest im Museums-Sinne korrekt gewesen ...

Schüler: ... und ein feiger Rückzug. Die Ausstellung sollte ja keine Antwort geben, sondern eine Frage stellen: Was gibt es überhaupt und, vor allem: Was wollen wir in Zukunft mit diesem Depotmaterial machen? Also mußte es aus verschiedenen Sammlungen kommen, vielschichtig und nicht vollständig sein. Und vor allem sollte es ganz ohne Didaktik daherkommen.

Lewandowsky: Es ist ja oft so, daß die jungen Leute die Archive locken, und sie dann in so einer Art naiver Unbescholtenheit alles nochmal neu machen wollen. Das führt gerade in der Gegenwartskunst zu ganz merkwürdigen Verkrampfungen. Genau dadurch wertet Ihr nämlich wieder.

Eigentlich war die DDR-Kunst doch selbst oft eine Täuschung.Da wurde ein DDR-Künstler mit seinem Werk gepriesen, aber das Volk las die Bilder als totalen Hohn auf den Staat. Oder Bilder gerieten auf merkwürdigen Umwegen in diese Sammlungen, nur um zu vermeiden, daß der Künstler in den Westen geht. Und auf einmal bekommt so eine Arbeit jetzt den Ruch eines Staatsankaufs, obwohl es eine Dissidentenarbeit ist.

Die Ausstellung stellt sich als ein graues Einerlei mit weißem Keil dar. Dabei hängen da in der grauen Rotunde Bilder, die eine viel komplexere Geschichte haben als diejenigen in dem angeblich oppositionellen Keil, in den ich ja netterweise von Euch gestellt wurde. Was man vergißt, in dieser Ausstellung, ist, daß jedes Werk mit tausend Fäden an historischen Ereignissen und Bezügen hängt.

Schüler: Die Lektüre der Ausstellung als graue Masse mit einem oppositionellen Keil stimmt so nicht. Aber da sind wir auch bißchen selbst schuld. Der Keil war gedacht als Zugang, als kleine Luke in eine gesonderte Ausstellung über das Werk von Gerhard Altenbourg. Einfach eine Monographie - auf weißem Untergrund deswegen, weil es sich um ein grafisches Werk handelt. Diese Monographie kam nicht zustande, weil die Hauptleihgeber sich nicht vertragen haben.

Statt dessen kamen dann Leihgeber und sagten: Ja, aber da gibt's ja noch die Oppositionellen! Wir haben das dann gemacht, obwohl das nicht so einfach war: Denn das künstlerische Medium dieser Gruppen lag eher bei der Performance als beim Gemälde. Trotzdem näherten sich die beiden Ausstellungsteile einander an. Wir wollten nie darüber hinwegtäuschen, daß es Staatsankäufe von oppositionellen Werken gab.

Den Sargdeckel über der DDR-Kunst haben nicht die Ostkünstler in ihrer Reaktion auf die Ausstellung zugeschlagen, sondern Achim Preiß in seinem Katalogbeitrag. Da schreibt er vom Tod der DDR-Kunst. Und zwar sowohl der Malerfürsten als auch der oppositionellen Nischenkunst. Da gibt es also Eure sehr vielschichtige Ausstellung - für die Kinder, die nächste Generation, wie Du sagst -, und dann kommt Euer Chef, ein "Westfuzzi", und schreibt in dem zentralen Katalogbeitrag diese Kunst tot.

Lewandowsky: Die Situation aber ist eigentlich noch viel schlimmer: Die alte DDR-Hofkunst hat sich inzwischen mit der alten BRD-Hofkunst verbrüdert und ist quicklebendig. Die liegen sich jetzt in den Armen und gehen als Braut und Bräutigam mit ihren Werken im Reichstag ein und aus. Aber so funktionieren Nationen eben.

Da gibt es über die politischen Grenzen hinweg immer wieder Parallelen. Und der Realismus wird in der Politik immer sein Zuhause finden und integriert und hofiert werden. Der Heisig wird seinen Wert durch das Rumjammern über die geplagten Dissidenten nicht verlieren. Und der Westen wischt diese Parallelitäten von Ost und West mit so einer Ausstellung wie der Euren einfach vom Tisch.

Ist das nun eine Ausstellung von Westlern oder von jungen Leuten aus dem Osten, die hier ihre Vergangenheit begraben wollen? Via Lewandowskys Verdacht ist noch nicht entkräftet.

Lewandowsky: Dein Verdacht aber auch nicht. Du sagst mit deiner Frage doch nichts anderes, als daß der Preiß die Ausstellung seiner jungen Mitarbeiter durch den Katalogbeitrag ins offene Messer hat laufen lassen. Ein Kinderschänder ist der Preiß!

Schüler: Es geht schon um unsere eigene Vergangenheit. In meiner Generation gibt es keinen Osten und Westen mehr. Das ist mein Anspruch. Deswegen kriege ich in Weimar auch künftig keinen Job mehr.

Aber noch ein Wort zu dem Katalogbeitrag von Achim Preiß. Für Preiß ist es ausgemacht, daß die Moderne in dem Ausstellungsbeitrag im Schloß zu Fall kommt, also schon im ersten Teil der Ausstellung, wo es um den Anfang unseres Jahrhunderts geht. Dieser Titel vom "Aufstieg und Fall der Moderne" ist doch eine dumme Phrase.

Der eigentliche Fall der Moderne liegt im Umgang der heutigen Zeit mit ihrer Vergangenheit. In der Musealisierung. Man muß sich nur die Leute anschauen, die im Schloß rumgehen: Die lesen sich alles durch. Aber frag mal hinterher: Was habt Ihr gesehen? Nix!

In der ersten Podiumsdiskussion, Anfang Juni, sagte Preiß: "Wenn meine Mitarbeiter das Bedürfnis gehabt hätten, die Kunstwerke zu auratisieren, dann hätte ich sie sie auch auratisieren lassen."

Schüler (lacht): "Auratisieren" ist klasse. Aber es ist richtig, wir haben uns nachher richtig verliebt in die einzelnen Werke. Und die Rotunde war unser großer Favorit. Den Keil fanden wir später eher langweilig und banal.

Was waren denn Deine Lieblingsbilder in der Ausstellung?

Schüler: "Die Eisfischer". Ich weiß gar nicht mehr, von wem das war.

Lewandowsky: Die Namen sollte man schon wissen. Da hängen doch Geschichten dran.

Schüler: Die werden in der Rotunde gezeigt und kommen aus Beeskow. Alexander Olbricht hätte das wahrscheinlich als Wandbild in groß gemacht. Bißchen pastellig, ein See, grau, und lauter kleine Haufen drauf. Von weitem sieht das aus wie kleine Heuhaufen. Und wenn man näher ran kommt, sieht man, daß das lauter Menschen sind, die zusammengeduckt auf dem Eis sitzen.

Geht Preiß auf die Bilder genauso zu? Einzeln und dialogisch?

Schüler: Ja. Das Tragische ist, daß er gerade das Bild von Elena Olsen total geliebt hat. Also das Bild, das abgehängt wurde. Und Neo Rauchs Bild liebte er auch sehr. Der ist vor Wut in die Luft gegangen, als er das hörte.

Lewandowsky: Diese Randgeschichten sind viel spannender als der Streit selbst. Gegen soviel kindliche Unschuld kann ich kaum noch was sagen.

Schüler: Das ist mir oft gesagt worden.

Olaf Nicolai formulierte das ähnlich wie Lewandowsky: Die sollen mal ihre Hausaufgaben machen. Außerdem sei es sowieso nicht schlecht, daß die Kuratoren mal einen vor den Bug bekommen und sehen, daß sie nicht alles mit den Künstlern machen können.

Lewandowsky: Das ist auch Quatsch.

Die Mediendiskussion geht teilweise auch in diese Richtung: Den eitlen Kuratoren endlich mal einen vor den Bug geben.

Lewandowsky: Ja. Damit hat die Ausstellung etwas aufgewühlt, was für künftige Projekte ganz negative Auswirkungen haben kann: Direktoren, die innovative Ausstellungskonzepte verweigern, weil sie Angst haben, daß die Presse wieder Schlange steht.

Die Ausstellung ist schuld?

Lewandowsky: Klar, wer sonst? Die Presse laviert doch gerade so, wie der Wind steht. Und daß Beaucamp die Leipziger wegen ihres Handwerks schätzt, ist ja okay. Soll er. Ihr aber hättet eine ultimative Ausstellung über die DDR-Kunst machen können - und diese Chance habt Ihr verpaßt.

Schüler: Die Ausstellung war nicht mit den Medien abgesprochen, wie man es normalerweise bei großen Ausstellungen macht. Wir haben ihnen kein Rezept mit auf den Weg gegeben, wie die Ausstellung zu sehen ist, sondern wir haben sie einfach gemacht. Und das finde ich eine Superleistung.

Lewandowsky: Nach all den Büchern, die zur DDR-Kunst erschienen sind, ist die Ausstellung keine Superleistung, sondern eine Bedeutungslosigkeit.