Berliner Konferenz gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Schöne Worte

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Sind Kindersoldaten Mörder? Sie sind es - zumindest manchmal. Sind Kindersoldaten männliche Kinder? Sie sind es - aber nicht ausschließlich. Sind Kindersoldaten Opfer? Sie sind es. Immer.

Vermutlich findet sich fast nirgendwo auf der Welt, außer bei den Betroffenen selbst, jemand, der gutheißen mag, dass Kinder in Armeen dienen, ganz gleich, ob dies nun reguläre, offizielle Verbände sind oder Rebellen- bzw. "Befreiungs"-Truppen.

Es ist also, so scheint es, gut und richtig und zutiefst humanitär, gegen die Rekrutierung und Vernutzung von Kindern im Krieg etwas zu tun. So, wie es immer gut und richtig und zutiefst humanitär scheint, sich gegen Kinderprostitution und gegen von Kinderhand geknüpfte Teppiche auszusprechen.

Wenn, wie vergangene Woche in Berlin, dies der deutsche Außenminister Joseph Fischer tut, sollte man sich eigentlich freuen können und dem Mann auch zugestehen, dass er mal etwas Vernünftiges macht und kraft seines Amtes eine gute Sache unterstützt. Es handele sich, so der Minister, um ganz gemeinen "Missbrauch" von Kindern, sie zu Soldaten zu machen. Zweifellos hat er Recht. Die Blitzlichter knattern, die Fernsehkameras surren, und Fischer ist Gastgeber für 250 ebenfalls gute Menschen aus allerlei guten Organisationen, die alle etwas gegen Kinder als Soldaten machen wollen und deshalb eine Konferenz veranstalten. Konkrete Forderung: Ächtung des Einsatzes von minderjährigen Soldaten, Heraufsetzung des Mindestalters für - auch freiwillige - Rekrutierungen auf 18 Jahre.

Warum bleibt trotzdem ein Unwohlsein angesichts dieses Gastgebers und der Konferenz "Stop Using Child Soldiers!"? Auch in Europa, hieß es doch unverhofft kritisch schon in der Einladung, seien männliche Jugendliche unter 18 Jahren in bewaffnete Konflikte verstrickt oder leisteten Militärdienst in regulären Streitkräften von Nato-Staaten. Es war jedoch ein Journalist, der auf der Pressekonferenz den Minister darauf hinwies, dass auch bei der Bundeswehr mehr als 200 Rekruten jünger als 18 sind und für den Bundesgrenzschutz gar keine Zahlen vorliegen. Der deutsche Außenminister und die Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul beeilten sich zu murmeln, man werde dies mit dem Verteidigungs- und dem Innenminister regeln. Dies wäre, nimmt man den Anspruch der Einlader ernst, eine Aufgabe zur Vorbereitung der Berliner Konferenz gewesen, zumal Deutschland in einer Studie der mit einladenden europäischen Organisation Coalition to stop the use of child soldiers ganz korrekt in der Liste der Länder auftaucht, in denen es Kindersoldaten gibt.

Ebenso hätte es den sich so unschuldig präsentierenden Einladern aus der deutschen Regierung gut angestanden, zumindest Zahlen zu nennen, was denn dieses vergleichsweise reiche Land bereits getan hat oder zu tun gedenkt, um sowohl präventiv einzugreifen als auch bei der Rehabilitation von - immer - traumatisierten Kindersoldaten Geld auszugeben. Doch außer vielen schönen Worte, die vor allem beschrieben, wie entsetzt man über den Einsatz von Jugendlichen im Krieg sei, war da wenig zu vernehmen. Dagegen ist kaum etwas zu sagen, selbst dann nicht, wenn einzuwenden sein mag, dass "Kindheit" in Kurdistan oder Angola etwas anderes bedeutet als hierzulande. Schöne Worte aber auf teuren Konferenzen in der deutschen Hauptstadt nutzen den Opfern wenig, solange diese Worte sich nicht ganz materiell auswirken.