"Wir flämischen Nationalisten wollen, dass der belgische Staat zusammenkracht." Nicht mehr und nicht weniger erhofft sich Frank Vanhecke als Vorsitzender des Vlaams Blok (VB). Auch bei anderen Forderungen hält sich Belgiens größte rechtsextreme Partei nicht sonderlich zurück: "Ohne völkische Identität gibt es keine nationale Kultur", oder kurz: "Ausländer raus".
Die Kämpfer für den flämischen Nationalismus forcieren systematisch die Feindschaft zwischen den Französisch-sprachigen Wallonen und den Niederländisch sprechenden Flamen. Mit Erfolg: Zuletzt konnte der VB bei den Parlamentswahlen im Juni dieses Jahres 15 Sitze im belgischen Zentralparlament hinzugewinnen und in verschiedenen flämischen Städten zur führenden Partei werden.
1978 hatte sich der VB von der als zu bürgerlich empfundenen Flammpartie Volksunie (VU) mit der Begründung abgespalten, die VU habe durch ihre Regierungsbeteiligung die "flämische Sache" verraten. Blieb der VB zunächst eine von vielen flämisch-nationalistischen Vereinigungen, gewann die Partei Ende der achtziger Jahre unter ihrem Vorsitzenden Karel Dillen an politischem Einfluss. 1988 gaben fast sieben Prozent der drei Millionen wahlberechtigten Flamen dem VB ihre Stimme. In Antwerpen erhielt der VB knapp 20 Prozent und zog ins Stadtparlament ein. Dillen hatte die Partei völkisch-nationalistisch ausgerichtet und im Wahlkampf rassistische Parolen lanciert.
In den folgenden Jahren wiederholte sich der Erfolg nicht nur, er wurde 1989, mit dem Einzug ins Europarlament, 1991, mit sechs Prozent bei den Parlamentswahlen, und 1994, als der VB in Antwerpen stärkste Partei wurde, immer größer. Vor drei Jahren wurde Dillen auf eigenen Wunsch von Vanhecke als Parteivorsitzender abgelöst.
Bürgermeister stellen oder auch nur Bündnispartner finden, konnte der VB bisher nicht: Dies wird durch eine Cordon Sanitaire genannte Abmachung aller demokratischen Parteien in Belgien verhindert, die 1989 auf Initiative der belgischen Grünen zu Stande kam. Alle Parteien bekundeten, nicht mit dem VB zusammenarbeiten zu wollen und ihn auszugrenzen.
"Ich habe kein Problem mit dem Cordon Sanitaire", erklärt Vanhecke. Denn so könne seine Partei "Rechts ohne Komplexe" bleiben. Dieses Motto hatte der frühere Antwerpener Fraktionsvorsitzende des VB, Eric Deleu, geprägt. "Rechts ohne Komplexe" brachte im diesjährigen Wahlkampf Parolen wie "Das eigene Volk zuerst" und Warnungen vor "Kameltreibenden, die sich ohne Unterlass vermehren" sowie den "krausköpfigen Gastarbeitern, die uns die Arbeit wegnehmen" und "unsere Frauen vergewaltigen", mit sich.
Freundschaftliche Beziehungen unterhält der VB seit 1989 zu den Republikanern in Deutschland. Zusammen demonstrierte man im vergangenen Jahr in Saarbrücken gegen die Einführung des Euro. Auch zum Front National in Frankreich und vor allem zu den kroatischen Nationalisten bestehen gute Verbindungen.
Auf Einladung des kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman besuchten die VB-Abgeordneten Filip Dewinter, Wim Verreycken und Francis Van der Eynde Anfang der neunziger Jahre Kroatien. Nach einem Treffen mit den faschistischen HOS-Milizen erklärte Dewinter, der dem VB-Jugendverband vorsitzt: "Wir müssen uns organisieren wie in Jugoslawien, wo die Menschen es für notwendig hielten, ethnische Staaten zu bilden."