09.02.2000
junge Welt-Watch

Belgier! Guckt nicht so jüdisch!

Zitiert man in dieser Zeitung den Pirkerwerner aus Österreich, gilt man gleich als unseriös. Der Pirkerwerner steht nämlich nicht gerade im Ruf eines besonders ernst zu nehmenden Autors.

Das liegt nicht nur daran, dass der Pirkerwerner stellvertretender Chefredakteur der jungen Welt ist, was bekanntlich eher Mitleid denn Kritik erregt. (Ich weiß, wovon ich schreibe: Ich war selber mal in dieser erbärmlichen Funktion bei jener erbärmlichen Zeitung.) Es liegt vor allem daran, dass schon bei der bloßen Erwähnung des Namens junge Welt in der Jungle World viele glauben, hier sollten alte Schlachten noch mal geschlagen werden und eine alte Auseinandersetzung sei immer noch nicht aufgearbeitet.

Dass es diese Vorurteile gibt, finde ich schade, gemein und pirkerverachtend. Diese Vorurteile führten nämlich in der Vergangenheit dazu, dass die Leser dieser Zeitung nie erfuhren, dass in Israel ein »mit den internationalen Finanzzentren eng verflochtenes ökonomisches Establishment« herrscht; geschrieben hat die Nachricht vom Weltjudentum der Pirkerwerner im Januar 1998.

Die Leser dieser Zeitung erfuhren auch nicht, dass der israelische Geheimdienst Mossad »das Vollzugsorgan des israelischen Staatsterrorismus ist»; überbracht hat die Botschaft vom Judenterror der Pirkerwerner im Februar 1999.

Solche Nachrichten wurden von dieser Zeitung nur deswegen unterdrückt, damit niemand der Jungle World kleinliches Nachkarten gegen Ex-Kollegen unterstellte, womöglich gar das Schwingen einer »Auschwitzkeule«. Doch so etwas rächt sich, denn der Pirkerwerner ist ja kein ordinärer Antisemit, er ist ein Kommentator von Rang.

Unter dem Titel »Pornomoral« verbat sich der gebürtige Kärntner jüngst jedwede ausländische Einmischung in die Bildung der österreichischen Regierung. Vor allem zwei »Frontstaaten« gelte es zurückzuschlagen, die wie einst die Türken vor Wien stünden: die Großmächte Belgien und Israel.

Um zu begründen, warum die Haider-Verteidigung des Kommunisten Pirker ausgerechnet in Belgien beginnt, erinnert er seine Leser an den »Kinderpornoskandal« und beschwert sich, dass es immer noch Belgier gebe, die einen Österreicher auch nur scheel anschauten. Dabei sollte der »Kinderpornoskandal« doch »die Österreich-Kritiker eigentlich beschämt schweigen« lassen. Wenn aber die Belgier nicht bald Ruhe geben, hat der Pirkerwerner auch schon einen im Auge, den er zum Aufräumen rüberschicken könnte: »Lebte Haider in Belgien, hätte er sich wohl an die Spitze des Volkszornes gegen die 'Kinderficker' gestellt.«

Aber der Pirkerwerner wär' nicht der Pirkerwerner, wenn er nicht auch seine Kenntnisse in Judenfragen vortrüge: »In der israelischen Knesset sitzen wohl etwas mehr Leute«, weist er die jüdischen Haider-Kritiker in die Schranken, »die von der Überlegenheit der eigenen 'Rasse' und der Untermenschennatur anderer Völker überzeugt sind, als im österreichischen Parlament.«

Wenn der Pirkerwerner jetzt noch herausfindet, dass auch in Belgien Juden leben, dann aufgewacht, Verdammte dieser Alpen.