Neulich, beim Zappen durch die Fernsehkanäle, blieb ich bei einer Ausgabe von »Herrchen gesucht« (Hessischer Rundfunk) hängen. In dieser Sendung werden wöchentlich Insassen diverser Tierheime vorgestellt, um sie an Zuschauer zu vermitteln, die auf der Suche nach einem Haustier, einem so genannten treuen Freund sind. Ich erinnerte mich an einen Vorläufer aus den achtziger Jahren vom Österreichischen Rundfunk, der hieß damals schlicht »Wer will mich?« Das heißt aber nicht, dass man dort nicht auch in den Sprachregelungen verblödeter Tierfreunde schwelgte. Allerdings legt mir meine Erinnerung nahe, dass es zu einer Diskursverschiebung gekommen sein muss. Denn der moralische Rigorismus der Tierschützer, jedenfalls der bürgerlichen, steckte damals noch in den Kinderschuhen.
Mittlerweile sind diese Sendungen journalistisch etwas aufgepeppt worden. Neben Humanimal-Touch-Geschichten über das eine oder andere Tierchen, das nach einer langen Leidensgeschichte ein neues Zuhause gefunden hat, stehen heute Reportagen rund um den Tierschutz und Tipps zur artgerechten Haltung, Porträts von Tierheimen und so fort. Reichlich langweilig eigentlich. Was mich aber zunächst fesselte, war die eigenartige Diskrepanz zwischen der dick aufgetragenen Tierliebe und den angespannten Versuchen der Moderatorin, die Tiere dazu zu bringen, in die Kamera zu glotzen und über das hysterische Gekläffe hinweg noch ihre Moderation an die Zuschauer zu bringen. Das wurde immer schwieriger und die Frau immer ungeduldiger. Plötzlich fing sie an, schon mal harsch an einem Halsband zu zerren, vergaß dabei aber nicht, das obligatorische »So ein süßes Kätzchen!« oder »Ein Traumhund!« zu zischen.
Ein Bericht über ein Tierheim in Südspanien, das deutsche Emigranten gegründet hatten, unterbrach das Schauspiel. Es gab viel Lob für deren Anstrengungen, die Autochthonen für den Tierschutz zu sensiblisieren und auch Anerkennung für den sich andeutenden Sinneswandel der spanischen Behörden. Die Redaktion muss den Beitrag für einen gelungenen Übergang zum nächsten Kandidaten gehalten haben. Denn derart von den katastrophalen Verhältnissen im Süden eingestimmt, präsentierte man einen Hund, den deutsche Urlauber aus Spanien mitgebracht hatten, um ihn in einem hiesigen Tierheim abzugeben.
Die Moderatorin war inzwischen dazu übergegangen, die Vierbeiner mit Leckereien bei Laune zu halten und wirkte entsprechend gefasster. Aber dem Hund war der Hundekuchen egal, er wollte lieber weg. Der Moderatorin platzte der Kragen: »Da bringen sie dich aus Spanien hierher, und jetzt schmeckt dir unser Hundekuchen nicht!« Jetzt sollen schon die Hunde froh sein, dass sie in Deutschland leben dürfen und dafür jede Kröte schlucken.