Unlängst trieb ich mich am Tegeler Flughafen herum, um eine Dame, die mir bekannt ist, vom selben abzuholen. Die aeroplane Maschine unterlag zwar keinerlei verstörender Verspätung, doch hatte ich, im Wirbelsturm meiner stets rasanten Art und Weise, mich pedeströs fortzubewegen, wieder einmal die Zeit selbst überholt und stand nun, mehrere Minuten jünger als beim Aufbruche, am Gate herum, nicht ahnend, welcherlei Überraschungen mir das Leben heute wohl zu bieten gedachte.
Nun, es hatte genug an Zeit und willkürlich fasste ich den hehren Entschluss, meinen schmächtigen Leib einer nicht unwesentlichen Stärkung zu unterziehen, worauf ich mich behende in die Schlange derer einreihte, welche beharrlich des Butterbrotes und des brühend heißen Bohnenkaffees harrten, am Verkaufsstande der Firma Leysieffer. Trotz der Unbill, welche ich mit diesem »Leysieffer-Anhängsel« nun meinem alten Deutschlehrer gemacht haben mag, lasse ich dies so stehen. Wie so vieles im Leben.
Eine Angestellte, die man nicht sah, radebrechte munter eine jener obligatorischen Durchsagen durch den Äther, und ich schmunzelte rechtschaffen, da sie den Automobilpiloteur »Ru-Ru-benz-Ba-Barri-Barritsch-tschello?!?« ausrief, dessen Namen sie wohl noch nie gehört haben mochte. Mehrere Versuche später schaffte sie es dennoch »Rubinho«, wie wir begeisterten Formel-1-Fanateure ihn nennen, beim Namen zu rufen, und er war ihrer. Ich selbst vermochte nicht, den rasenden Heros persönlich zu treffen, ihm wankend zu huldigen und schließlich weinend vor seiner stattlichen Person zusammenzubrechen, da er wohl die V.I.P.-Lounge aufgesucht hatte und bei sich dachte: »Der Naatz, ein Supertyp, aber kennen lernen muss man ihn nicht.«
Schließlich gelangte ich an die Kasse der kleinen Leysiefferei, und das reifere Mädchen, welches vor mir der Bezahlung anheimfiel, wunderte sich, da die Bedienstete sie fragte: »Geht das zusammen?«, wobei sie den Blick auf meine Person senkte. Nachdem die Dame verneinte, erschrak das Teil hinter der Kasse, stieß ein mächtiges »Yawp!« aus und erkannte mich - oder jedenfalls denjenigen, für den sie mich hielt. Trotzdem ich es war, war es nicht ich, den sie enttarnte.
Sie begann Englisch mit mir zu parlieren, und wandte sich, um mir mittels primitiver Zeichensprache zu bedeuten, das labbrige Fischbrötchen sowie der Bohnenkaffee würden ein Loch von 13,50 Mark in meine Börse reißen. Von teuflischen Säften beseelt, erwiderte ich in bestem Südstaaten-Britisch »Yep!«, worauf sie begeistert ob meiner Identifikation das pekuniäre Geklimper an sich riss und mich meinem verschwindend geringen Appetit überließ.
Ich vertilgte das Mahl manierlich und eine gut gewachsene Blondine warf mir einen erregten Blick zu. Schließlich traf ich die Dame, der mein Sinnen in all seiner Anständigkeit galt, am Gate und munter leisteten wir uns ein Taxi.
Dieses Mal war ich also davongekommen, ohne dass 50jährige Geschäftsmänner mir aufreizende Gesten zukommen ließen, die zweifellos ihrer Überzeugung Ausdruck gaben, ich sei der knabenhafte Flughafenstricher. Nur weil ich von zärtelnder fragiler Erscheinung sein mag.