14.06.2000
Drinnen und draußen VII

Keine Tiere töten!

Die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung', herausgegeben von Jürgen Jeske, Berthold Kohler, Hugo Müller-Vogg, Günther Nonnenmacher und Frank Schirrmacher, ist nicht so harmlos, wie es in den letzten hundert Tagen erschien. In einer 'Junk Word' zugespielten Hausordnung aus dem 'FAZ'-Container wird den Redakteuren noch die kleinste Regung vorgeschrieben. Schirrmacher und seine Mitherausgeber haben alles bis ins Detail geplant. Wir dokumentieren Auszüge des streng geheimen Regelwerks.

»Frankfurter Allgemeine Zeitung versteht sich als Anwalt aller Deutschen. (...) Durch Vertrag ist den Herausgebern von Frankfurter Allgemeine Zeitung anvertraut, die geistige politische und wirtschaftliche Haltung zu bestimmen. (...) Die Hausordnung dient nicht dazu, Ihnen das Leben schwer zu machen, sondern möchte ihnen helfen, die Herausforderungen im FAZ-Container zu bewältigen. Frankfurter Allgemeine Zeitung achtet rund um die Uhr auf Ihre Sicherheit. Trotzdem könnte es vorkommen, dass jemand versucht, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Wichtig! Lassen Sie sich immer zuerst den Pass zeigen. Begeben Sie sich nach Dienstschluss direkt durch die Schleuse in die Tiefgarage und fahren Sie unverzüglich nach Hause. Dort erhalten Sie gegebenenfalls telefonisch weitere Anweisungen von dem für Sie zuständigen Herausgeber. (...) Sollten Fallschirmspringer in Ihrem Garten landen, verschließen Sie die Außentür und verdunkeln Sie die Fenster.

Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt Ihnen einen Dienstwagen zur Verfügung. Im Falle eines Unfalls (auch Jagdunfälle) steht unter dem Tisch im Herausgeber-Zimmer ein Erste-Hilfe-Koffer. Das FAZ-Logo ist am Nummernschild des Wagens gut sichtbar zu befestigen. Bei Benutzung des Dienstfahrrads achten Sie unbedingt auf ausreichende Beleuchtung. Radfahrer, die ohne Licht fahren, sind unverzüglich Herrn Reißmüller (a.D.) zu melden.

Der Hitlergruß soll nicht auf den Redaktionsfluren gezeigt werden, es sei denn, Sie werden von ihrem Ressortleiter dazu aufgefordert. Ansonsten gehen Sie dazu bitte in das Sprechzimmer. Eine brennende Lampe zeigt an, dass das Zimmer gerade besetzt ist. Das Schwenken der Reichskriegsflagge bleibt auf hohe Feiertage beschränkt, an den übrigen Tagen ist diese in den Redaktionsstuben gut sichtbar zu deponieren. Haustiere dürfen an den Arbeitsplatz verbracht werden. Die Tiere dürfen aber nicht getötet und geschlachtet werden. Ausnahmeregelungen erteilt die für Artenschutz zuständige Abteilung unter Leitung Eckhard Fuhrs. Das Tragen von schwarz-rot-goldenen Krawatten bleibt den Herausgebern vorbehalten. Thomas-Mann-Zitate dürfen nur in Fest-Ansprachen verwendet werden. Ausnahmeregelungen für ehemalige Mitarbeiter sind möglich. (...)

Von Ihnen wird eine gewisse Vielseitigkeit erwartet. Jeder dient mit Augen und Ohren, Spürsinn und Feder nach Kräften dem ganzen Projekt - in all seinen Zweigen. Die Herausgeber behalten sich bei Zuwiderhandlungen vor, Sie zu einem persönlichen Gespräch ins Sprechzimmer zu bitten. Wenn Sie zu Herrn Schirrmacher gerufen werden, ziehen Sie sich bitte flache Schuhe an. Es darf geanwortet werden, falls der Herausgeber Sie dazu auffordert.

Wenn ein neuer Redakteur (...) in den FAZ-Container zieht, gelten folgende Regeln: Die übrigen Redakteure sollten keine Fragen über die Außenwelt stellen, denn dadurch machen Sie sich das Leben im Haus selbst schwerer. Außerdem ist der Neue zu Stillschweigen über die Situation außerhalb des Hauses verpflichtet. Die übrige Redaktion muss den Neuen in den Frankfurter-Allgemeine-Lebensstil einführen (kein Luxus etc.). Bitte schließen Sie langfristige Zahnbehandlungen vor der Arbeitsaufnahme ab. (...)

Trotz sorgfältiger Auswahl unserer Kandidaten können Probleme im zwischenmenschlichen Bereich auftreten. Wenden Sie sich in solchen Fällen unverzüglich an unseren Gleichstellungsbeauftragten Konrad Adam.«