Londons Oxford Street ist eine Einkaufsmeile, wie man sie sich wünscht. Es gibt mehr als tausend Sachen, die kein Mensch braucht, und alles ist hübsch verpackt. Der einzige Nachteil ist, dass man sich permanent wie in einer U-Bahn-Station während der Rushhour fühlt. Da schiebt und drängelt, zischt und geifert es; ja, da verliert der coole Engländer beinahe die angemessene Höflichkeit. Ständig steht jemand im Weg, der beim Anblick der karierten Krawatten im Marks & Spencer-Schaufenster oder der CDs im nächsten Virginstore die Zeit vergessen hat.
Deshalb benutzen Ortsansässige die Oxford Street eigentlich nie, sie überqueren sie nur hier und da, um von einer Seitenstraße in die gegenüberliegende zu gelangen. Denn irgendwo muss man ja einkaufen. Doch das ärgert natürlich die Geschäftsinhaber auf der Oxford Street. Denn wer kann schon allein von Touristen leben, die sich gegenseitig unablässig beschämt »Gott, ist das teuer hier« zuflüstern?
Nun haben die Geschäftsinhaber der Stadtverwaltung einen kreativen Vorschlag gemacht, der wirklich allen dient: Der Gehweg auf der Oxford Street soll in zwei Spuren aufgeteilt werden. Eine für langsame Schaufensterbummler, die bislang nur als Hindernisse dienten, und eine Spur für jene, die es eilig haben. Natürlich wirkt dieser Vorschlag im ersten Moment befremdlich. Doch auch daran haben die Geschäftsinhaber gedacht und deshalb gleich noch eine Strafe für »langsames Gehen auf der Schnellspur« vorgeschlagen. Neun Pfund soll künftig bezahlen, wer dem Fortschritt im Wege steht.
Die Stadtverwaltung freut sich zwar über die Idee ihrer kreativen Bürger, kann aber keine Ordnungshüter zur Überwachung der Mindestgeschwindigkeit für Fußgänger abstellen. Wie unflexibel, schließlich gibt es doch die Technik. Und die muss nicht einmal neu gekauft werden. Alle Radarfallen, die bislang auf den im Stau steckenden Autofahrer ausgerichtet sind, müssten einfach nur ein wenig gedreht und umprogrammiert werden: von zu schnell auf zu langsam, bzw., da hier ohnehin niemand mit dem Pkw rasch vorankommt, von langsam auf sehr langsam.
Bei den Abschnitten, in denen es keine Radarfallen gibt, benutzt man einfach die Überwachungskameras, die ohnehin jeden Meter Oxford Street im Blick haben. Hier müsste allerdings in neue Technik investiert werden: In einen an die Kamera gekoppelten Geschwindigkeitsmesser, der die Schleicher erfasst. Und in Scanner, wie bei einer Supermarktkasse, aber mit einer besseren Reichweite. Schließlich muss das erfasste Vergehen auch unmittelbar geahndet werden können. Und geahndet werden kann nur, wer auch identifizierbar ist.
Dafür könnte man in der Oxford Street auf ein Identifikationsmerkmal zurückzugreifen, das dort ohnehin jeder bei sich trägt: die Kreditkarte. Sie wird einfach ans Revers geheftet. Das bringt allen Vorteile: Die Shopper müssen nicht mehr so oft in den Taschen wühlen, in den Läden wird per Handscanner kassiert und das Bußgeld für Schleicher kann unauffällig und unbürokratisch abgebucht werden.