07.02.2001
Ein Denkmal für die Exekutive I

Bullen und Steine

Wer sich in Österreich für den ehrbaren Beruf des Polizeibeamten entscheidet, lebt gefährlich. Zum Beispiel jene beiden Polizisten, die vor rund zwei Wochen auf der Autobahn so richtig in die Klemme gerieten. Ein Teil der Klemme bestand aus einem 40-Tonner, der andere war der eigene Streifenwagen. Als die beiden Beamten eine Verkehrskontrolle durchführen wollten, fuhr ein Sattelschlepper zu nah ran und zerquetschte die beiden am Seitenstreifen stehenden Gesetzeshüter mit 100 Sachen. Eine tragische Geschichte.

Gerade noch einmal gut gegangen ist die gefährliche Arbeit im Dienste der Allgemeinheit für die beiden Beamten, die kurz vor Weihnachten mit ihrem Streifenwagen »Gustav 1« im Schritttempo in die Donau rutschten und sich erst nach einem dramatischem Unterwasserkampf mit der Türklinke aus den eisigen Fluten befreien konnten.

Doch während in Deutschland die Opferbereitschaft des Frankfurter Polizisten Rainer Marx beinahe den beliebten Außenminster Joseph Fischer den Job gekostet hätte, bleiben die Taten ihrer österreichischen Kollegen von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet. Damit sich das ändert, plant das österreichische Innenministerium jetzt ein »Denkmal für die Exekutive«.

Es gibt viele Gründe für solch ein Mahnmal. Besonders für Sympathieträger wie die österreichischen Polizisten, denn die sind tatsächlich von lammhafter Gutmütigkeit und waren selbst in Fischers besten Zeiten nie so militant oder doof wie Rainer Marx und Konsorten. Seit die schwarz-blaue Regierung im Amt ist, begleiten Hunderte Uniformierte jede der wöchentlichen Donnerstagsdemonstrationen, und obwohl keine der Demos tatsächlich angemeldet ist, hat sich zwischen Demonstranten und Polizisten so etwas wie eine friedliche Koexistenz entwickelt. Inzwischen kennt man sich (»Mein Freund, der Polizist«) und zur 50. Demo überreichte man einander wirklich artige Aufmerksamkeiten.

Noch aber ist unklar, wie das Denkmal aussehen soll. Sämtliche Wiener Polizisten in Stein zu meißeln, täte dem Wiener Stadtbild sicherlich nicht gut. Rainer Marx in Überlebensgröße vielleicht? Monumental und künstlerisch anspruchsvoll soll das Ding auf jeden Fall werden, denn eine Jury aus Architekten, bildenden Künstlern und Stadtprominenten soll das Siegerobjekt küren.

Potenziell siegerverdächtig wäre das Modell »Klebeband«. Eine etwa drei Meter durchmessende Rolle Klebeband aus Bronze rund um einen Sockel aus schwarzem Marmor würde die zeitgeschichtlich wohl bedeutsamste Tat der Polizei würdigen: Vor zwei Jahren hatten Fremdenpolizisten einen Schubhäftling derart gekonnt mit Klebeband gefesselt und geknebelt, dass dieser auf dem Abschiebeflug erstickte.

Das Bundesministerium für Inneres, da sind wir sicher, ist jedenfalls dankbar für jeden konstruktiven Vorschlag (Tel.: 0043 - 1 - 531 26 - 0). Und auch dem neuen Deutschland würde ein solches Denkmal gut zu Gesicht stehen. Zum Beispiel auf dem Berliner Schlossplatz. Auch Junk Word möchte seinen Beitrag dafür leisten und eröffnet hiermit den Ideenwettbewerb für ein deutsches »Denkmal für die Exekutive«. Bildet Komitees!

Senden Sie Ihre Entwürfe bitte per Post an die Jungle World oder per E-Mail an: junkword@jungle-world.com