07.02.2001
»Girlscamp« auf Sat.1

Fabelwesen

Julia ist nicht nur »supersportlich«, sondern auch »superoffen«. Dass es das »Girlscamp« gibt, findet sie »super«. Und dass sie mit neun Geschlechtsgenossinnen ins »Girlscamp« einziehen darf, hält sie für »superspannend«. Auch Anja ist »blond, reich und schön« und liebt es, von ihrem Hund »über's Gesicht geschleckt zu werden, das braucht man manchmal«. Mit ihrer Mutter versteht sie sich »richtig super«. Nadja sagt: »Liebe is' schwer zu beschreiben, entweder man fühlt es oder man fühlt es nicht.« Karima lässt uns in ihr verborgenstes Inneres blicken: »Liebe ist für mich was Schönes.« Ja, die Liebe ist eine Himmelsmacht. Und weil Karima schon so lange in Deutschland lebt, »liebe ich dieses Land auch sehr«. Ganz aus dem Häuschen gerät da das Studiopublikum und spendet tosenden Applaus.

Kaum sind die Mädchen unter Jauchzen, Kreischen und Gackern ins »Girlscamp« eingezogen, machen sie daraus eine Art Mädchenpensionat mit angeschlossener Schönheitsfarm. Tagsüber wird der Teint gepflegt, gehopst (»Bodystyling«) und geputzt. Abends wird getänzelt, umeinanderherscharwenzelt, am Kleid gezupft und weiter dummes Zeug geschwatzt: über Körperformen (»Du bist ganz schön betittet«), den Traummann (»Er hätte alles von mir haben können«) und die Liebe (»Liebe ist was Schönes«). Ansonsten sitzt man beisammen und kichert.

Ausziehen wollen sich die Girls nicht, sie wickeln sich in Badehandtücher, bevor sie sich das Bikinioberteil umschnallen. Danach folgt eine mühsame Prozedur, bei der man sich mit der einen Hand stückweise des Handtuchs entledigt, während man sich mit der anderen das Körbchen über die Brust zerrt. Wenn gar nichts Sendefähiges passiert, zeigt die Kamera bevorzugt nackte Brüste und Beine, die aus Duschvorhängen hervorlugen und spärlich bekleidete Hinterteile in Großaufnahme. Nur das Betrachten einer sich drehenden Wäschetrommel könnte spannender sein.

Als die »Girls« aufgefordert werden, vor der Kamera ihren »Traumboy« zu beschreiben, kristallisiert sich ein idealtypisches Fabelwesen heraus. Humor soll er haben, und irgendwie lieb, aufmerksam und charmant soll er sein. Weder prügelnder Berserker, noch grübelndes Mauerblümchen, sondern irgendwas dazwischen. Erwartungsgemäß zum »Boy of the week« gewählt wird schließlich ein öliger Angeber, der »schnelle Autos und schöne Frauen« mag und dem man nichts mehr wünscht als eben den selbst gewählten Zwangsaufenthalt in der Tussihölle.

Claudia hingegen weiß ganz genau, welchen Typ Mann sie bevorzugt. Ihr Spezialgebiet ist die Rassenkunde: »Ich steh' auf diesen arischen Typ. Groß, blond, blauäugig.« Dem Mädel kann geholfen werden. Der ein oder andere geschlechtsreife Arier aus dem großdeutschen Lebensraum dürfte wohl aufzutreiben sein.

Also Freiwillige! Antreten zur Liebeswerbung in den Baggerboxen! Du bist männlich? Ledig? Zwischen 18 und 39? Rasserein? Dann melde Dich! Ein paar Tage im Frauenlager haben noch keinem geschadet. Und wer weiß, vielleicht wird Claudia Dein Traumgirl. Dann klappt's auch mit der Aufzucht erbgesunden Menschenmaterials.