14.03.2001
privatepublic

Der Reiz des Privaten

Ultraschallaufnahme, Babyfoto, Hochzeitsvideo, Röntgenbild, Schnappschuss - das Intime, Alltägliche, Private wird unablässig in Bilder verwandelt und vorgezeigt. Nicht nur im Familienalbum. Weil die Faszination einer durchgestylten Hochglanzästhetik zu verschwinden droht, sind die Bilder des Privaten so begehrt. Sie versprechen Authentizität, intime Einblicke und den Charme des Dilettantischen. Doch jede Veröffentlichung stört das Private. Medien- und Marketingstrategien setzen in aufwendigen Produktionen auf den Reiz des amateurhaften Bildes. Zugleich entstehen mit der Privatisierung des öffentlichen Raums neue No-go-Areas. Privatgrundstück - Betreten und Fotografieren verboten!

In der Ausstellung privatepublic werfen Künstler und Künstlerinnen einen kritischen Blick auf die Privatisierung der Welt und untersuchen die Schnittstellen, Verbindungslinien und Widersprüche zwischen Privatem und Öffentlichem. Michael Hofstetter beschäftigt sich in seiner Serie »ego design« mit der Herstellung von Glamour. Zehn digitale Farbproofs zeigen Models, die auf Plakaten für Kosmektik werben. Die Gesichter sind übersät mit handschriftlichen Korrekturwünschen an den Reprografen. Zoltán Jókay konzentriert sich auf das Bild des Anderen. Farbige, hochformatige Porträts zeigen jeweils eine Person, der der Fotograf auf Spaziergängen zufällig begegnete. Ulrike Myrziks Arbeit »Mauern« besteht aus acht Panoramen, die Knastmauern als Grenzwälle im öffentlichen Raum abbilden. Kirsten Kleie zeigt den menschlichen Körper als Medium von Vergänglichkeit und Verwundbarkeit. In »sunny me« friert sie die kollektive Erinnerung an Urlaub und Strand ein. Petra Gerschner stellt in ihrer Arbeit »what does memory mean to you? Nr. II« die Frage nach den subjektiven und kollektiven Kriterien der Erinnerung. Tapetenstücke aus Musterkatalogen sind Hintergrund und zugleich Rahmen für ihr fotografisches Memory. Manfred Jarisch zeigt in »daheim« monochrome Farbfotografien aus seinem Elternhaus. In seinen Bildern geht es um Ordnung, Anpassung und Disziplin. »Ich wollte in Bilder fassen, was mich immer stört, wenn ich nach Hause zu meinen Eltern fahre, dieses Gefühl, das mich nach ein bis zwei Stunden befällt.« Dieter Rehm ist mit seiner Großbildkamera ein unsichtbarer Teil der Szenerie. Auf diese Weise entstand sein Sanachrome-Bild »Coney Island«. Es zeigt Menschen, die die Anwesenheit des Fotografen vergessen haben.

»privatepublic«. Aspekte Galerie der MVHS Gasteig, Rosenheimer Str. 5, 81667 München. Bis 16. April.

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