16.01.2002
Muhammad Ali wird 60

Das Box-Luder

Muhammad Ali wird 60. Eine Collage

Jugend in Kentucky

Er war völlig gewöhnlich, und ich bezweifle, dass irgendein Talentscout in diesem ersten Jahr viel von ihm gehalten hat.

Joe Martin, Polizist und Alis erster Boxtrainer

Anfänge als Profi

Er hat uns nicht zugehört. Wir haben daraus geschlossen, dass Cassius nichts von seinen Kämpfen lernen möchte und dass er nicht das Ziel hat, einer der besten Schwergewichtler der Welt zu werden. Alles, was er will, ist der reichste zu werden.

Gordon Davidson, Louisville Sponsoring Group, Alis erstes Management, im November 1963

WM gegen Sonny Liston

Vor diesem 25. Februar 1964 sah es so aus, als würde Cassius Clay in den Kontext der Werte des weißen Establishments passen. Er war zwar nicht weiß, aber er war die nächstbeste Lösung: Groß, umgänglich, witzig, charmant; ein guter Junge, dessen Ambitionen waren: reich werden und der Schwergewichtsweltmeister werden.

Thomas Hauser, Ali-Biograf 1991

Seltsamer Trubel um den Zuchthäusler (Liston) und den Fast-Geisteskranken (Ali).
Klaus Ullrich Huhn im Neuen Deutschland, Juli 1965

Nation of Islam

Clay sollte sich entscheiden, ob er ein religiöser Eiferer werden will oder Schwergewichts-Champion. Als Champion kann er kein Muslim sein oder irgendwie anders religiös, weil der Sport nichtsektiererisch ist.

Abe Greene, Commissioner des Verbandes WBA, März 1964

Ich glaube nicht, dass Muhammads Konversion ein religiöser Ausdruck war. Ich glaube bis zu dem Tag, an dem ich sterbe, dass es ein soziales Erwachen war, das ihn zur muslimischen Religion führte. Es war etwas, dass er damals brauchte. Das ganze Land brauchte das.

George Foreman, Boxweltmeister und christlicher Prediger, 1991

Joe Louis

Mein Vater war sehr verletzt, dass Ali ihn einen »Uncle Tom« nannte.

Joe Louis Barrow, Sohn von Joe Louis

Verweigerung

Ich sah einen 24jährigen Jungen, der Angst davor hatte, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. »Wie können sie mir das antun? Ich möchte nicht, dass meine Karriere ruiniert wird.« Er hatte immer gedacht, sie würden seine Einberufung immer weiter verschieben, und auf einmal war sein Leben durcheinander gewirbelt. Irgendeiner hatte ihm auch erzählt, er müsse nach Vietnam. Dann ging das Telefon, Associated Press, United Press International. Und Alis Litanei über den ganzen Tag lautete: »Das darf nicht passieren, wie können sie mich jetzt ziehen, wenn ich mich doch nicht verändert habe? Vor zwei Jahren haben sie jedem erzählt, ich sei eine dumme Nuss, und sorgten dafür, dass sich meine Eltern schämten.«
Letztlich, nach dem zehnten Anruf - »Wie denken Sie über den Vietkong?« - explodierte Ali: »Man I ain't got no quarrel with them Vietcong.« Und bang. Da war's. Das war die Headline. Das war es, was die Medien wollten.

Robert Lipsyte, Sportjournalist bei der New York Times, 1991

Er ist ein Drückeberger-Arschloch.

Richard Nixon, Präsident der USA

Ich kann Ihnen versichern, dass Ali definitiv, manchmal freilich unausgesprochen, von den Führern der Civil-Rights-Bewegung bewundert wurde. Manchmal waren sie auch ein bisschen ängstlich über den Anhang, den er hatte, und über die Folgen dessen, was er tat.

Arthur Ashe, erster schwarzer Wimbledon-Sieger und Autor des Standardwerks »A Hard Road to Glory: A History of the African-American Athlete«

Als sich sein Image wandelte und der Magen der mittelmäßigen Masse ihn ausspie, wurde Clay zum Liebling einer elitären Mittelmäßigkeit, einer weißen Intelligenz, die im Boxsport Bedeutung und Metapher suchte.

Nick Tosches, Biograf Sonny Listons, 2000

Comeback

Ein sehr großer Teil der amerikanischen Öffentlichkeit mochte ihn nicht, und schlimmer noch, sie waren müde, immer hören zu müssen, was er gerade tat. Aber das Exil hat alles verändert. Es zeigte den Menschen, dass Ali aufrichtig war. Es machte aus ihm einen Underdog. Er wurde ein Symbol für Leute, die sich nie fürs Boxen interessiert hatten.

Jim Jacobs, Box-Promoter, 1991

George Foreman, 1974

Sie halten die Weltmeisterschaft im Schwergewicht im Kongo ab. Ich vermute, dass die Spitze des Mount Everest anders vergeben war. Ich verstehe nicht, warum sie das nicht im Yankee-Stadium abhalten wie jeder andere auch.

Jim Murray in der Los Angeles Times, September 1974

You think the world was shocked when Nixon resigned? Wait till I whup George Foreman's behind..

Ali im September 1975

Der dritte Frazier-Kampf

It will be a killer / And a chiller / And a thrilla / When I get the gorilla / in Manila.

Muhammad Ali, 1975

Über Joe Frazier

Joe war tief in seinem Innern sehr religiös und deswegen hatte er auch großen Respekt vor Alis religiösen Überzeugungen. Erst als Ali frech wurde vor ihrem ersten Kampf, als er begann, Joe einen Uncle Tom zu nennen, änderten sich Joes Gefühle. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Joe kein Problem mit Alis Entscheidung, nicht in der Armee zu dienen.

Dave Wolf, Sportjournalist für das Life Magazine, 1991

Joe Frazier ist zu hässlich, um Weltmeister zu werden.

Muhammad Ali, 1975

Ich liebte Ali, ich liebe ihn immer noch. Aber in den Tagen vor dem Kampf in Manila, fühlte ich für Joe. Das war das einzige Mal, dass ich nicht von Ali geschmeichelt war. Du musst dich erinnern, was Joe Frazier ist. Nicht wer er ist, sondern was er ist. Er ist ein hart arbeitender ehrenwerter und zurückhaltender Mensch, der aus einer Kleinstadt kommt und wenig formale Bildung besitzt. Er ist ein stolzer Mann. Und er verdient ganz große Ehre, das wurde auch in dem Kampf klar. Und Ali machte Joe lächerlich, er demütigte ihn vor den Augen der Welt.

Reggie Jackson, Baseballspieler, 1991

Die achtziger Jahre

Ich weiß nicht, warum er Reagan (1984) und Bush (1988) unterstützt hat, aber ich fühle mich schlecht bei dem Gedanken. Ich würde mich gerne mit Ali zusammensetzen und darüber diskutieren. Ich wünschte, ich könnte ihm sagen: »Hör zu, mach das nicht.«

Julian Bond, Historiker und Bürgerrechtler, 1991

Die Krankheit

Muhammad Ali hat nicht Parkinson's disease, wie manchmal berichtet wird. Er hat Parkinsonismus oder Parkinson Syndrome. Das ist ein neurologisches Problem mit verschiedenen Erscheinungsformen. Das eine ist der Tremor, das zweite sind langsame Bewegungen, das dritte ist eine gewisse Steifheit der Muskeln, inklusive der Muskeln, die zum Sprechen benötigt werden. Mit anderen Worten: Die Symptome zeigen sich in der Motorik: der Bewegung, dem Sprechen und dem Gesichtsausdruck. Sein Zustand berührt nicht seine Intelligenz oder die Schnelligkeit seiner Gedanken.

Stanley Fahn, Arzt am Columbia-Presbyterian Medical Center in New York, 1991

Wenn die Leute sagen: »Boxen ist schrecklich, schau, was es aus Ali gemacht hat«, muss ich fragen: »Welches Leben hätte er denn ohne Boxen gelebt?« Es wäre gewiss nicht viel gewesen.

Alex Wallau, Boxexperte des US-Senders ABC, 1991

Wirkung

Er ist kein Mann mit Hochschulbildung und gewiss keiner mit großem Wissen über Politik. Aber zu meiner größten Überraschung hatte er mit so vielen Dingen Recht, über die er sprach, ohne dass er die Hintergründe kannte.

Bob Arum, Boxpromoter, 1991

Ali erreichte mehr Menschen in ihrem Alltag als jeder Papst oder Präsident je erreichen wird. Mehr als jede andere öffentliche Figur seiner Zeit gehörte er den Massen. Er gehört der Welt.

Thomas Hauser, Ali-Biograf, 1991

Das Establishment kann man nicht wirklich bekämpfen, weil es zu stark ist. Es besitzt zu viele Waffen - Flugzeuge, Bomben und Geschütze. Ich forderte es aber symbolisch heraus. Und im Nachhinein war ich der Sieger. Ich behielt doch recht mit meiner Meinung.

Muhammad Ali, 1999

Ich kümmere mich nicht darum, wie die Welt ihn sieht. Ich sehe ihn anders, und ich kenne ihn besser als jeder andere.

Joe Frazier, 1991

Kampf

Die Leute sagen, ich hätte ein erfülltes Leben gehabt. Aber ich bin noch nicht tot. Ich beginne gerade erst. Das Boxen war doch nur der Start in mein Leben. Ungerechtigkeit bekämpfen, Rassismus bekämpfen, Verbrechen bekämpfen, Analphabetismus bekämpfen, Armut bekämpfen, dieses Gesicht benutzen, das die Welt so gut kennt, und hinausgehen und kämpfen für die Wahrheit und für ein paar andere Sachen.

Muhammad Ali, 1991