10.07.2002

Zelten auf Rädern

Camping ist vor allem etwas für mobile Leute. In diesem Jahr gibt es nicht nur vier antirassistische Sommercamps, sondern auch noch zwei antirassistische Karawanen. Ein erster Konvoi mit dem Motto »reclaim the highway« wird vom fünften Antirassistischen Grenzcamp in Jena über Frankfurt/Airport zum NoBorder-Camp nach Strasbourg führen. Wer also an beiden Camps teilnehmen möchte, kann sich dem Konvoi anschließen und unterwegs noch vielfältig aktiv werden.

Darüber hinaus wird es, wie im letzten Jahr, wieder eine Karawane zur Verteidigung der Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen geben. Die Karawane Tour 2002 steht in diesem Jahr unter dem Motto: »Asylrecht ist Menschenrecht - Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder zerstört.« Am 17. August beginnt die Karawane mit Innenstadtaktionen in Oldenburg, sie endet am 21. September in Berlin.

Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz und den Sicherheitsgesetzen von Bundesinnenminister Otto Schily steht Flüchtlingen in Deutschland ein neuer Angriff bevor. Die Zahl der Abschiebungen wird sich vermutlich drastisch erhöhen, und das Maß der sozialen Ausgrenzung der Flüchtlinge wird dramatisch zunehmen. Die bevorstehenden Bundestagswahlen werden zudem von den Parteien zum Anlass genommen, die rassistische Propaganda zu verschärfen, um rechte Wähler zu mobilisieren. Egal, wer diese Wahlen gewinnen wird, Flüchtlinge und MigrantInnen werden die Verlierer sein. Deshalb soll die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen auch kurz vor den Bundestagswahlen stattfinden.

Das Ziel der Karawane, die wie in den vergangen Jahren vor allem von in Deutschland lebenden Flüchtlingen der Organisation The Voice organisiert wird, ist es, Aktionen, Diskussionen und kulturelle Veranstaltungen rund um das Thema Rassismus in ganz Deutschland zu organisieren. Beabsichtigt ist damit, so die OrganisatorInnen, »die Einheit unter den Flüchtlingen und MigrantInnen und den progressiven Teilen der deutschen Gesellschaft zu stärken, um den bevorstehenden Angriffen wirksam entgegentreten zu können«.

»Asylrecht ist Menschenrecht und kein Privileg«, lautet eine der zentralen Parolen der Karawane, mit der die Flüchtlinge gegen die stillschweigende Abschaffung des Asylrechts protestieren und an Deutschlands moralische Verantwortung erinnern, bedrohten Menschen Schutz vor Verfolgung zu gewähren.

Im Aufruf der Flüchtlingskarawane heißt es: »Wir sind nicht freiwillig in Deutschland! Wir müssen fliehen vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Elend. Wir tragen nicht nur die Sorge über unsere ungewisse Zukunft in Deutschland mit uns, sondern auch die Sorge über das Schicksal unserer Familien und Freunde, die wir in unserer Heimat zurücklassen mussten, in unseren Herzen. Wir sind uns bewusst, dass die wirtschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands zu den Problemen unserer Herkunftsländer beitragen, und sehen es als unsere Verantwortung an, diese hier anzuklagen.«

Karawane, 17. August bis 21. September 2002; Kontakt: The Voice Refugee Forum, Tel.: 0361-66 52 14
Website: http://www.contrast.org/borders/kein/