Kein Autohersteller würde auf die Idee kommen, ein neues Modell »Sachse« zu nennen. Auch der Name »Touareg«, den VW seinem neuen Geländewagen verpasste, dürfte in sandigen Staaten eher ein Verkaufshindernis sein, denn die Wüste wird nur von denen romantisiert, die fern von ihr leben.
Dennoch rechnet VW mit guten Marktchancen in den Golfmonarchien, und das Vorstandsmitglied Peter Hartz unterzeichnete eine Absichtserklärung über künftige Zusammenarbeit mit der staatlichen Investment-Gruppe Mubadala Development in Abu Dhabi. Auch Rheinmetall kann sich freuen, denn Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen eine größere Zahl von Spürpanzern des Typs »Fuchs« erwerben. Nach der Veröffentlichung der frohen Botschaft stieg die Aktie des Rüstungskonzerns auf den höchsten Stand seit fünf Jahren.
Es lohnt sich, wenn man bei seinen Geschäftsreisen vom Bundeskanzler begleitet wird. »Wir brauchen die politische Einbettung«, erklärte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer, der Anfang Oktober ebenfalls im Regierungsflugzeug Platz nahm, um gemeinsam mit Gerhard Schröder Ägypten, Saudi-Arabien und die VAE zu besuchen. »Es ist ein Verstärker, gerade in Monarchien oder zentralistischen Strukturen«, erläuterte Tui-Chef Michael Frenzel.
Kritik an »zentralistischen Strukturen« wie der fundamentalistischen Diktatur Saudi-Arabiens stand deshalb nicht auf dem Programm. Selbst die üblichen formalen Mahnungen in Sachen Menschenrechte und Reformen mochte der Kanzler seinen Gastgebern nicht zumuten. Schließlich will Schröder den Wettbewerbsvorteil, den Deutschland durch die Ablehnung des Irakkrieges gewonnen hat, voll ausspielen: »Die klare Position der Bundesregierung in internationalen Fragen ist, ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen, schon hilfreich für die Gespräche.« Die Diktatoren der Region wissen es zu schätzen, dass Deutschland von einem regime change nichts wissen will.
Mit dem Golfkooperationsrat (GCC), dem neben Saudi-Arabien und den VAE auch Oman, Katar, Bahrain und Kuwait angehören, hat sich in der Region ein der EU vergleichbares Bündnis ölreicher und finanzkräftiger Staaten etabliert. Der GCC sei »ein natürlicher Partner für Deutschland und die EU«, schrieb Abdulaziz Sager, der Vorsitzende des Gulf Research Center, in der saudischen Tageszeitung Arab News. Die gemeinsamen Interessen, so Sager, reichten über die wirtschaftliche Kooperation hinaus. Denn die von den USA favorisierte »unilaterale Weltordnung« würde die EU schwächen. »Ein vereintes Vorgehen Deutschlands, der EU und des GCC könnte jedoch das Blatt wenden.«
Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass Schröder unmittelbar nach seinen Treffen mit den arabischen Diktatoren Russland besuchte. Als erster Nato-Staat darf Deutschland nun seine Truppen durch russisches Territorium transportieren, und Putin schloss nicht aus, dass künftige Ölverkäufe in Euro statt in Dollar abgerechnet würden. Obwohl in den offiziellen Verlautbarungen nicht davon die Rede war, muss man davon ausgehen, dass Schröder auch seinen arabischen Freunden den Euro ans Herz legte.
Innerhalb der EU hat Deutschland die Führung im Konkurrenzkampf mit den USA übernommen. Einige Widersprüche zwischen Wirtschaft und Politik müssen allerdings noch ausgeräumt werden. Den »Touareg« verkauft VW mit dem Slogan: »Freiheit ohne Kompromisse«. Die deutsche Außenpolitik wird sich wohl eine andere Werbebotschaft ausdenken müssen.