Bangladesh wird gegenwärtig von einer Flutkatastrophe heimgesucht. Ein Gespräch mit dem Botschaftsrat Ruhul Alam Siddique von der Botschaft Bangladeshs in Berlin.
Wie ist die Situation in Ihrem Land?
Es gibt noch keine offizielle Stellungnahme der Regierung. Wir beziehen unsere Informationen auch aus den Medien. Demzufolge verbessert sich die Lage im Norden des Landes ein wenig, weiter oben an den Flussläufen. In der Mitte und im Süden verschärft sich die Lage weiter.
Die Hälfte der 130 Millionen Einwohner Bangladeshs soll von der Katastrophe betroffen sein.
Die Hälfte des Landes wurde überflutet, auch die Hauptstadt. Ich glaube, man kann sagen, dass die Hälfte der Bevölkerung betroffen ist.
Ist diese Katastrophe schwerer als die vorhergehenden?
Solche Flutkatastrophen ereignen sich in Bangladesh einmal in zehn Jahren. Diesmal war der Abstand kürzer. Die letzte schwere Flut erlebten wir 1998, davor kam es 1988 zu einer Flut. Der Grund ist die Topographie, die Lage Bangladeshs. Wir haben 250 große Flüsse, die aus Indien und Myanmar kommen, und wenig Land. Der Vollmond verstärkt die Flut, weil das Wasser wegen der Gezeiten höher steht. Es wird noch eine Zeit dauern, bis sich die Lage verbessert.
Haben andere Länder Bangladesh inzwischen Hilfe angeboten?
Nach allem, was wir wissen, bemüht sich die Regierung um Hilfe für den Wiederaufbau des Landes.
Wie wird sich die Flut auf die Ökonomie des Landes auswirken?
Die Flut ist noch nicht vorbei, deshalb ist es im Moment schwer abzuschätzen. Aber sie wird einen ernst zu nehmenden Einfluss auf unsere Wirtschaft haben. Vor allem die Landwirtschaft wird stark betroffen sein, auch die Infrastruktur, Straßen, Telekommunikationssysteme, aber auch individueller Besitz wie Häuser etc. Der Transport von Gütern zu den Häfen des Landes wird schwierig. Unser Export wird darunter leiden. Es wird einige Zeit dauern, das Land wiederherzustellen. Ich hoffe, es wird in kurzer Zeit gelingen.
interview: stefan wirner