04.08.2004

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Auf ihren Dom sind die Kölner besonders stolz. Zu Recht. Zwölf fette Glocken hat man unters Dach gehängt, die schwerste wiegt unglaubliche 27 000 Kilo! Außerdem lagern dort die Gebeine der Heiligen Drei Könige, so sagt man. Es ließen sich noch zahlreiche spektakuläre Fakten rund um das rheinische Wahrzeichen aufzählen. Doch der wirkliche Grund, warum die Kölner ihren Dom so lieben, ist ein anderer: Sie haben volle 632 Jahre daran gebaut. Und manche behaupten, er sei nie wirklich vollendet worden. 632 Jahre! Das sind 22 Generationen, in deren Lebensverlauf sich das Bauwerk kontinuierlich veränderte, immer prächtiger und heiliger wurde. Die Kölner haben sich zusammen mit ihrem Dom entwickelt, und deshalb lieben sie ihn umso mehr. »Work in progress« nennt man das auf Neudeutsch.

Was für die Kölner ihr Dom, ist für uns hier in der Kreuzberger Bergmannstraße die Jungle World. Die ersten zwei Ausgaben erschienen im Juli 1997 noch in kleinem Format, seitdem hat sich viel geändert. Nur das Grundkonzept und -layout sind geblieben, nachdem uns die »Society For New Design« im Jahr 1999 zu einer der »World’s Best-Designed Newspapers« kürte. Aber vollendet haben wir die Jungle World nie. Noch immer bauen wir weiter, und auch das Layout wird eines Tages in neuem Lichte glänzen. Und unser in der letzten Ausgabe gefeierter kleiner Relaunch ist ebenfalls Teil eines Prozesses und nicht dessen Endpunkt. Wir üben noch. Und wenn Sie diese Woche schon wieder einige Veränderungen feststellen, dann ist das kein Versehen, sondern Teil der »kontinuierlichen Produktverbesserung«, wie dieses Verfahren bei uns heißt. Man muss in Bewegung bleiben! Nicht um Anpassung an einen wie auch immer geratenen Trend geht es, sondern darum, der Gewöhnung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Denn Gewohnheit, dieses Biest, ist der Feind der Aufklärung, der Rebellion – und der Abo-Auflage.

Am 5. Juli 2004 hat das »Welterbekomitee« der Unesco den Kölner Dom übrigens auf die rote Liste des »Welterbes in Gefahr« gesetzt. Im Bestand gefährdet ist die Jungle World von Anfang an, auch wenn für unsereins keiner eine rote Liste führt. Unsere einzigen Geldgeber sind seit acht Jahren ausschließlich die Abonnentinnen und Abonnenten. Und das bleibt auch so. Da hat es der Kölner Dom natürlich leichter. Der Schlawiner.