04.08.2004

LeserInnenworld

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Jungle World 29/04: Mein Klagebuch

Verdächtiger Kult

Erst einmal ein ganz großes Lob an die Jungle World! Ich kaufe das Blatt regelmäßig seit einem Jahr und bin eine zumeist begeisterte Leserin. Ich frage mich jedoch, was Artikel wie dieser von einem Naatz (der) in einem engagierten Blatt wie der Jungle World zu suchen haben? Sein Beitrag zum Ingeborg-Bachmann-Preis ist eine Frechheit, über den Comic-Strip auf der letzten Seite brauchen wir gar nicht reden! Ist es heutzutage Kunst oder ist es besonders originell, seine Anspruchslosigkeit und Gleichgültigkeit den Lesern in jeder beliebigen Form hinzuknallen, nichts und niemandem mehr etwas beweisen zu wollen/müssen? Auch nicht sich selbst? Hat er die Verleihung überhaupt gesehen? Wo bleibt hier der Anspruch auf Information und Gehalt? »Bachmann-Preis, los wir schreiben was, lass das mal diesen Pausenclown machen, Hauptsache es kommt zweimal ›Bachmann-Preis‹ darin vor und dann noch irgendwas, was niemanden oder nur ein paar Eingeweihte interessiert?« Warum jemandem ein Forum bieten, der anscheinend nichts zu sagen hat? Ist so etwas heute schon kultverdächtig? Anscheinend ja, in Zeiten in denen Stefan Raab eine Millionenpublikum vor die Bildschirme zieht, wo das anspruchslose Geblödel eines Michael Mittermeier Olympiastadien füllt, da möchten auch andere nicht unbemerkt bleiben! Auf welcher Spaßwelle will man hier mitschwimmen? Hat man der Welt wirklich nichts mehr zu sagen außer: Ihr könnt mich alle mal, und in Kreuzberg gibt es Bratwurst für einen Euro? Das ist bitter!

E.C.

Da capo

Wahl der Wahl

»Alles beginnt wieder von vorn«, meint Ripplinger. Das gilt vor allem für die »radikale Linke«, wie sie sich in Jungle World präsentiert. Nach der Entsorgung der über 100jährigen Geschichte der sozialen Emanzipation und der Kämpfe für die schrittweise Verwirklichung einer vernünftigen Utopie bestaunt die »radikale Linke« begriffs- und praxislos den Rollback der Reaktion. Paradox ist Ripplingers Rat zum Wahlverzicht. Damit gibt er zu verstehen, dass er von dem Bürgerrecht, das er anderen – notfalls durch einen »gerechten Krieg« – bescheren will, selber gar nichts hält.

B.B.

Jungle World 30/04: Tigerkind

Gebt euch Mühe!

Auch wenn es nur eine Kurzmeldung ist: Wenn Lee Hsien Loong der Sohn von Lee Kuan Yew ist, dann lautet der Familienname des letzteren nicht Yew. Das sollte selbst bei einem einfach von irgendwo übernommenem Text auffallen, wenn man ihn sich denn nochmal durchliest. Auch sonst fallen uns gelegentlich hier und da überflüssige Fehler oder Recherchedefizite auf. Niemand ist perfekt, aber man kann sich schon Mühe geben, oder? Ansonsten weiter so, und schönen Gruß vom

lilli und poldi-fanclub dresden