Hund statt Fliege!
»Ich und du und ein Hund dazu« heißt es in einem schönen sentimentalen Sommerhit, in dem Mensch und Tier ihren Platz haben und überhaupt alles seine wunderbare Richtigkeit hat. Von solch einem unbeschwerten Leben kann Cäsar, der schüchterne Schäferhundmischling aus Köpenick, bislang nur träumen. Ihm wurde eine kleine schmutzige Ecke im 40 Grad heißen Produktionsbüro zugewiesen und eine strenge Residenzpflicht auferlegt, d. h. er darf sich nicht ohne Begleitung seiner Bezugsperson durch die Räume bewegen, und immerzu heißt es: Schnauze!
Natürlich ist eine Redaktion, die bislang unter Haustierhaltung verstand, möglichst viele Apfelgitschen und Bananenschalen herumliegen zu lassen und damit ein gigantisches Fruchtfliegenaufkommen zu erzeugen, mit dem knuddeligen Schlappohr völlig überfordert. Oder gibt es in der Redaktion ideologische Vorbehalte gegenüber deutschen Schäferhunden? Keineswegs. Schließlich legt sich exakt jener Kollege (Deckname Brutus) mit dem Hündchen an, der erst kürzlich dadurch auffiel, dass er einen israelischen Kater mit Fußtritten attackierte, woraufhin das selbstbewusste Tier in einem verzweifelten Akt von Selbstverteidigung in den Zeh des Deutschen biss und so sein Leben rettete. Cäsar, sei wachsam!
Hunde raus!
»Claudia hat ‘nen Schäferhund und den hat sie nicht ohne Grund«, sangen einst »Die Ärzte«. »Abends springt er in ihr Bett und dann geht es rund«, geht der Text weiter. Es wird also angedeutet, dass es sich bei der Hundehaltung um einen Ersatz für eine Beziehun zu einem Menschen handelt. Na gut, wer sonst keine Freunde hat… Der Unterschied ist nur, dass ich meine Freunde nicht mit in die Redaktion bringe und sie unter meinem Schreibtisch ablege. Freunde hinterlassen auch keine Haare auf dem Boden und lecken nicht meine KollegInnen ab. Ich muss normalerweise auch nicht aufpassen, mit meinem Stuhl vorzurollen, weil die Freundin des Euro-Redakteurs unter dem Konferenztisch liegt.
Seit ein paar Tagen bringt unser Layouter nun einen Schäferhund mit in die heiligen Hallen der Jungle World. Plötzlich muss man sich dämliche Sprüche anhören: Der will doch nur spielen. Ich aber nicht! Er (oder sie; wer weiß das schon) heißt Cäsar. Ich bin übrigens Brutus. Ich soll ihn füttern. Will ich aber nicht! Warum auch? Schließlich halte ich auch nicht meinen Freunden ihr Essen in der offenen Hand vors Maul und sage: Hier, lecker Happi, Happi.
Vor kurzem hat übrigens das Berliner Abgeordnetenhaus ein Gesetz verabschiedet, das das Anleinen von Hunden in Berliner Parks vorschreibt. Ich habe gerade eine Bürgerwehr gegründet, die auf deren Einhaltung achtet. Cäsar, pass auf!