Manchmal wundert man sich schon. Es gibt Redakteurinnen und Redakteure, die geben vor, völlig überarbeitet zu sein. Sie haben tiefe Augenringe, wirken müde und erschöpft. »Ich brauche dringend ein paar Tage frei«, sagte kürzlich ein Kollege, »ich bin so ausgepowert«, und – schwups! – war er verschwunden. In den Kurzurlaub. Wir haben es ihm gegönnt.
Und doch ließ der Fall einige Fragen offen. Wieso reiste er so übereilt ab? Wieso vergaß er, einen wichtigen Text ins redaktionsinterne Austauschsystem zu stellen? Drei Tage war der Text verschwunden, kurz vor Produktionsschluss tauchte er wundersamer Weise wieder auf. In solchen Fällen greifen wir zum letzten aller Mittel: zur Recherche. Und wie in der Kriminalistik hilft auch uns dabei manchmal Kommissar Zufall.
Eine Kollegin machte sich auf den Weg an die Ostsee, um ein Open-Air-Festival zu besuchen. Die letzten Tage mit Sonnenschein genießen, entspannen, relaxen, chillen, wie es so schön heißt. Gute Musik hören und dufte Leute treffen, die Seele baumeln lassen, sich auf erdbebensicherem Gebiet bewegen und die letzten Mückenstiche des Sommers einfangen.
Und plötzlich, am Bierstand, der Technosound wabberte und wummerte heftig, sah sie ihn. Den gestressten, überarbeiteten Kollegen. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er sah nämlich gar nicht so überlastet aus. Vielmehr wirkte er zufrieden und glücklich. Und neben ihm stand der mögliche Grund für diese wundersame Genesung: eine hübsche junge Frau.
Wir wissen nicht, wie Sie sich den Sommer vertrieben haben. Ein paar sonnige Tage gab es ja. Doch der Herbst scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Denken Sie deshalb immer an das Gedicht von Friedrich Nietzsche: Die Krähen schrei’n/Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: /Bald wird es schnei’n –/Weh dem, der keine Zentralheizung hat!
Ja, die lauschigen Sommernächte gehören der Vergangenheit an, und das von uns an dieser Stelle ausgerufene Jahr der Liebe (Jungle World, 53/03) geht in die zweite Hälfte. Einige Fälle wurde bereits gelöst, das können wir Ihnen zur Beruhigung mitteilen. Zarte Bande der Liebe spinnen sich zwischen Leipzig, Berlin, Paris und sogar zwischen einzelnen Räumen in der Redaktion. Vieles ist in Bewegung gekommen, etliche Redakteurinnen und Redakteure sind wieder auffällig guter Dinge. Und so soll es sein. Love is like the sun. Sometimes you see it and sometimes you don’t. But it’s always there.