01.09.2004

Stereo ist besser

liebe ware

Produkte, die wir auch nach dem Kapitalismus nicht missen möchten. Ich könnte ohne Kopfhörer nicht leben. Egal ob Stereo-Anlage, Walkman oder MP3-Player, wichtig ist, dass ich mir jederzeit Stöpsel in die Ohren schieben und mich damit – zumindest mental und vorübergehend – aus der Wirklichkeit verabschieden kann. Wer will denn das ganze dumme Gequatsche in der U-Bahn hören? Ich nicht. Ich kann sogar, je nach Musik-Auswahl, gezielt meine Stimmung in der Öffentlichkeit beeinflussen. Liege ich im Park auf der Wiese und höre The Smiths, dann habe ich das Gefühl, alles um mich herum zu verstehen. Zuhause brauche ich manchmal eine Dröhnung Punkmusik oder Beethoven. Beides mögen meine Nachbarn nicht. Seit ich Kopfhörer, drahtlos, auch für die Stereoanlage habe, kann ich mir täglich meine zehn Minuten volle Power Musik reinziehen. Kopfhörer sind eine großartige Erfindung! Geradezu wundersam: Aus dem einen Stöpsel kommt der eine Teil der Musik, aus dem anderen der andere Teil. Und erst im Kopf setzt sich das Ganze wieder zu der Musik zusammen, die irgendwann einmal irgendjemand irgendwo aufgenommen hat. Das ist doch phänomenal! Mein erster Kopfhörer gehörte zu einem kleinen Kassettenrekorder, zu dem ich auch ein Mikrofon besaß. Ich habe meine Eltern fast täglich zu verschiedenen politischen und persönlichen Fragen interviewt. Ich glaube, damals beschloss ich, Journalist zu werden. Ich war damals acht. Heute gibt es sogar Kopfhörer fürs Handy. Damit konnte ich mich allerdings bis jetzt noch nicht anfreunden. Handys gab es früher auch nicht …

ferdinand kimmel