Deutsche Kinder müssen her, koste es, was es wolle. Aber nicht die Kinder von Proleten, die kurz nach der Auszahlung des letzten Kindergeldes schon wieder auf dem Sozialamt auftauchen und die Hand aufhalten. Die Gutverdienenden sollen für mehr deutschen Nachwuchs sorgen.
Auf der Klausur des Bundeskabinetts in Bonn am Wochenende brachte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) einen Entwurf für ein neues Erziehungsgeldmodell ein. Demnach soll der Staat Müttern oder Vätern, die zum Hüten des Nachwuchses zu Hause bleiben, einen Lohnersatz zahlen. Es geht Schmidt vor allem um Akademikerinnen, die gerne zugunsten der Karriere auf Kinder verzichten. Das Erziehungsgeld, das der Staat derzeit bezahlt, nämlich entweder 300 Euro im Monat pro Kind in den ersten zwei Lebensjahren oder 450 Euro im Monat für das erste Jahr, kann diese Frauen nicht locken. Schmidt will sich daher am schwedischen Modell orientieren. Dort erhalten eine Mutter oder ein Vater, die zu Hause bleiben, 80 Prozent ihres vorherigen Bruttoeinkommens, maximal 2 500 Euro im Monat. Bundeskanzler Gerhard Schröder unterstützt die Pläne, denn er sieht in der Frage des Kinderkriegens eine »gefährliche Zurückhaltung« bestimmter sozialer Schichten.
stefan wirner