15.09.2004

Der Sonnenwindangler

ich-ag der woche

In harten Zeiten muss jeder auch hart an sich arbeiten. Wer sich auf den einmal erworbenen Lorbeeren ausruht, wird schon sehen, was er davon hat. Fachwissen ist heutzutage gefragt, in allen Bereichen, auch dort, wo man es nicht für möglich hält. Wenn es der Arbeitsvermittler, Wolfgang Clement, der Standort oder die Nation verlangen, muss man etwas leisten können und wollen. Lernen Sie dazu, lebenslänglich! Jede Qualifikation zählt, auch jene, die Ihnen auf den ersten Blick absurd erscheint.

So musste beispielsweise jemand bereitstehen, als es galt, den vom Raumfahrzeug »Genesis« gesammelten Sonnenwind einzufangen. Eine solche Fähigkeit bekommt niemand in die Wiege gelegt! Dan Rudert, Stuntman in Hollywood, schreckte nicht vor der Herausforderung zurück. Monatelang bereitete sich der Hubschrauberpilot auf diese spezielle Mission vor. In der vorigen Woche sollte er die von »Genesis« abgeworfene Kapsel mit den kostbaren Partikeln, bereits abgebremst durch einen Fallschirm, mit Hilfe eines überdimensionalen Angelhakens an seinem Hubschrauber in 1 200 Metern Höhe einfangen, zum Erdboden begleiten und dort sanft absetzen. Vom Gelingen dieser Aktion wurde der Erfolg der etwa 214 Millionen Euro teuren Weltraummission abhängig gemacht.

Zwar kam alles ganz anders. Weil sich der Fallschirm an der Kapsel nicht öffnete, war die Abfangaktion hinfällig, das Gerät knallte ungebremst in die Wüste. Ein bisschen Staub soll dennoch erhalten geblieben sein, von dem man sich zum Beispiel Aufschluss über die Entstehung der Planeten erhofft.

Sicher ist jedoch: Wenn mal wieder ein Stück Sonne gefangen werden muss, wird Dan Rudert derjenige sein, der den Job bekommt. Er hat nicht umsonst an sich gearbeitet. Man lernt schließlich fürs Leben.

elvira hieb