Das »Glossar der Gegenwart« will kein witziges Zeitgeistlexikon sein, auch nichts mit dem »Wörterbuch des Gutmenschen« zu tun haben, und als Variante der von Jürgen Habermas herausgegebenen »Stichworte zur ›Geistigen Situation der Zeit‹« mag es sich auch nicht verstehen. In 44 Artikeln untersuchen Autoren und Autorinnen mit oft sozialwissenschaftlichem Background die Leitbegriffe, mit denen alle, die irgendwie wichtig sind oder tun, momentan um sich schmeißen. Ausgewählt wurden Aktivierung, Branding, Community, E-Government, Empowerment, Erfolg, Erlebnis, Evaluation, Flexibilität, Gen, Gender, Globalisierung, Partizipation, Shareholder Value, Synergie, Wellness und Zivilgesellschaft u.a. Es geht darum zu zeigen, welche politischen Konzepte sich in der Sprache spiegeln. Zwar gibt es in diesem Buch jede Menge kluger Gedanken über die Machtpraktiken und Diskurse der Gegenwart, aber lesenswerte Texte sind daraus nur bedingt entstanden.
So liest man zum Beispiel zum Schlüsselwort »Erlebnis«: »Das ubiquitäre Annoncieren von Erlebnismöglichkeiten enthält einerseits eine reflexive Wendung, bei der das alltägliche Erleben zum Erlebnis überhöht wird, was ihm den Charakter eines Besonderen verleihen soll. Andererseits hat ein solches Erleben des Erlebens auch eine eher verborgene Seite, und beide stehen in einem Spannungsverhältnis von Oberfläche und Tiefenstruktur, von lustvoller Gestimmtheit und Kontrollarrangement.«
Das Problem des »Glossars« ist die völlige Befangenheit der Verfasser in einem von Foucault inspirierten Begriffsuniversum.
Die Kritiker der Elche sind selber welche.
heike runge
Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann, Thomas Lemke (Hg.): Glossar der Gegenwart. Suhrkamp, Frankfurt 2004, 320 Seiten, 12 Euro