Produkte, die wir auch nach dem Ende des Kapitalismus nicht missen möchten. Nicht Eitelkeit war es, die mich dieses Produkt zu schätzen lehrte. Es war die Repression. Ich sage nur: Helmpflicht! Meine italienischen Brüder wissen, was ich meine. Als Vespa-Fahrer wirst du gezwungen, deinen Kopf in eine halboffene, Wärme stauende Hartplastikkugel zu stecken, die den Sitz deiner Frisur nicht nur irgendwie beeinträchtigt, sondern dich nach dem Abnehmen des Helms aussehen lässt, wie einen, den mittleren, der Marx Brothers. Nicht wie jener Marx Brother aussehen zu wollen, ist doch noch keine Eitelkeit, oder? Wer sich also keine Glatze rasieren und dennoch Roller fahren will, der oder die braucht Haargel. Kein Fett, kein Wachs, sondern schnell härtendes und dann nie mehr verformbares Gel. Und zwar das stärkste: »Power Styling Gel Mega Stark« mit »PowerPlus System« ist eins der Härtesten. Das macht schon die pechschwarze Tube klar und der starke Leimgeruch.
Wenn die Liebe zu dieser Ware jedoch nur repressionsbedingt ist, brauchen wir sie dann nach dem Ende des Kapitalismus überhaupt noch? Ich fürchte ja. Weil, wenn dann die Stalinisten das Sagen haben, werden sie die Helmpflicht eher noch verschärfen, z. B. auch für Fußgänger! Und gewinnen die Faschisten, droht das Schwitzen unterm Stahlhelm. Erst wenn die wirklich Guten endlich gesiegt haben und die Helmpflicht abgeschafft ist, dann ließe sich darüber reden, das Haargel wieder seiner eigentlichen Bestimmung zu überlassen und damit Plakate an die Wand zu kleben.
ivo bozic