29.09.2004

LeserInnenworld

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Zuschriften bitte an: briefe@jungle-world.com oder per Post an die Redaktion.

Jungle World: Abo-Kampagne

Haltet durch!

Ihr Schweine! Eure Abo-Kampagne trifft uns wirklich dort, wo’s am meisten wehtut: Seit Wochen müssen wir auf eine Fortsetzung von Fils großartiger »Mädchenworld (mit Stickers!)« warten! Werden sich Gemma und Kasimir schließlich doch noch kriegen? Oder kehrt sie tatsächlich zurück zu ihren fiesen Elektropunkvätern? Sollte die Jungle World eingestampft werden, werden wir es nie erfahren! – Also schön, Ihr habt gewonnen: Das WG-Abo wurde heute zum Förderabo aufgestockt, ihr requiriert mehr Anzeigen (wozu seid Ihr Pop-Linke?!) und macht ansonsten gefälligst so weiter. Ist das ein Deal?!

euer gemma-fanclub bremen

Jungle World 38/04: Unmögliche Dialektik

Zu viele Prophezeiungen

Für die Autorin scheint die Sache klar zu sein: »Auf emanzipatorischen Inhalten und radikaler Gesellschaftskritik bestehen und gleichzeitig Bündnisse mit dem Volk eingehen, ist in Deutschland kein Ding der Dialektik, sondern der Unmöglichkeit.« Macht’s gut, ihr Idioten! Auf der Montagsdemo in Berlin am 6. September gab es bspw. einen kämpferischen autonomen Block. Es sprach eine Vertreterin einer Migranten/innen-Initiative, die die Auswirkungen von Hartz IV auf diese Gruppe thematisierte. Es gab Flugis, die auf den Ausschlussmechanismus der Parole »Wir sind das Volk« hinwiesen. Der massive Einfluss der radikalen Linken würde die Proteste gründlich verändern, wenn nicht falsche Identitätspolitik betrieben würde, sowohl was die eigene als auch die der Montagsdemos angeht. »Hineinzuwirken gibt es da nichts«, entgegnet Fischer kurz und knapp und bemängelt, dass kein revolutionäres Subjekt in Sicht sei, und offenbart damit, dass sie weder über ein materialistisches Verständnis der Wirklichkeit verfügt noch über ein dialektisches Verständnis von der radikalen Linken in bezug auf den materiellen Ausdruck derselben. Dass die eigene Radikalität nur in einer dezidierten Abgrenzung als Funktion der Identitätsbildung zu ihrer Existenz finden kann, ist kein Spezifikum des antideutschen Milieus. Auch Segmente der Autonomen haben das durchaus drauf, d.h. auch sie warten, bis das revolutionäre Subjekt bei ihnen Zuhause vorbeikommt und sie fragt, ob sie nicht mit auf die Demo kommen wollen. Fischer fällt nichts besseres ein, als zu beklagen, dass in der Linken keine Diskussion darüber geführt wird, sich der Montagsdemo, also dem »Mob«, in guter alter antifaschistischer Tradition entgegen zu stellen. Counterdemos gegen die sozialen Proteste. Was für eine Perspektive! Freilich sollten keinesfalls die Augen gegenüber den Tendenzen verschlossen werden, dass Rechte an den Demos teilnehmen. In den Fällen, wo die Rechte droht, die Hegemonie über eine Demo zu gewinnen, muss sich natürlich dem entgegengestellt werden. Daraus aber die Schlussfolgerung zu ziehen, die soziale Frage sei irgendwie strukturell faschistisch, blendet die strategische Option der NPD, sich dieser Thematik zu bemächtigen, aus und produziert letztlich das, was prophezeit wird: rechte Hegemonie auf den Montagsdemos.

daniel knopp