Ein rational denkender Millionär müsste am 2. November für George W. Bush stimmen. Denn Bush hat weitere Steuersenkungen versprochen, John Kerry dagegen möchte, dass die Reichen etwas mehr Steuern zahlen. Eine Umfrage des Magazins Elite Traveller kam jedoch zu dem Ergebnis, dass nur die Unterschicht der Millionäre, deren Vermögen zehn Millionen Dollar nicht übersteigt, Bush unterstützt. Unter den Befragten, die mehr als zehn Millionen Dollar besitzen, liegt Kerry mit 59 Prozent in Führung.
Wer nicht nur reich, sondern so richtig stinkreich ist, interessiert sich nicht mehr dafür, ob er 33 oder 35 Prozent Steuern zahlen muss. Insider der Wall Street bezeichnen das für eine solche Sorglosigkeit erforderliche Vermögen als »fuck-you money«. In dieser Sphäre dominiert offenbar die Abneigung gegen die Bigotterie und den Hurra-Patriotismus der Republikaner. Der Journalist Daniel Gross stellte ein von ihm als Bushenfreude bezeichnetes Phänomen fest. Bush habe die liberale Bourgeoisie nicht nur verärgert, sondern es ihr auch erleichtert, Kerrys Wahlkampfkasse zu füllen: »Es gibt viele Beweise dafür, dass reiche Liberale ihr gestiegenes verfügbares Einkommen – das sie zum größten Teil Bushs Steuersenkungen verdanken – dafür benutzen, ihr Bedürfnis nach Luxusgütern und nach politischer Rache zu befriedigen.«
jörn schulz