Die Stuttgarter Nachrichten sind vermutlich nicht das beste Organ, um Forderungen an die Queen zu stellen. Da sich aber anscheinend für den Historiker Jörg Friedrich sonst niemand mehr interessiert, versuchte er sein Glück auf diesem Wege. Vielleicht verirrt sich ja die richtige Ausgabe – nämlich die vom vergangenen Freitag – in den Buckingham Palace und landet auf dem Schoß der Queen, mag er sich gedacht haben.
Ganz schön Augen machen würde sie, die Queen. Denn sie solle sich endlich für die »entartete Kriegsführung« der Briten gegen das nationalsozialistische Deutschland entschuldigen, fordert Friedrich. Sie brauche aber nicht zu denken, dass sie es sich mit einer Entschuldigung leicht machen könne. »Angesichts von 500 000 zivilen Opfern durch die alliierten Flächenbombardements wäre ein ›Es tut mir leid‹ eine zu billige Floskel.«
Okay, die Thesen von Friedrich sind nichts Neues, und sie werden auch nicht richtiger, wenn er sie zum 500. Mal von sich gibt. Da aber sein Publikumswert langsam sinkt und er einfach nur noch langweilig ist, sollte er sich einmal Gedanken über seine Zukunft machen. Zeitungsinterviews oder Buchvorstellungen ziehen nicht mehr. Wie wäre es stattdessen mit einer Ausstellung? Das Stichwort »entartet« ist auf jeden Fall schon einmal wegweisend. Eine Ausstellung über den »entarteten Krieg« wäre doch eine prima Idee. Als Highlight gäbe es ein Foto von der Sowjetfahne auf dem Brandenburger Tor. Bei diesem Anblick würden wahrlich dicke deutsche Tränen kullern.
Doch auch der Queen würden Anteilnahme und Mitgefühl einmal gut zu Gesicht stehen. Damals, als Lady Diana ums Leben kam, blieb sie kalt wie Eis. Sie verzog keine Miene und trotzte den Millionen von Menschen, die in Tränen zerflossen, als der Tod der Prinzessin traurige Gewissheit wurde. Dabei war das eine wahre Tragödie. Dafür sollte sich die Queen entschuldigen, wofür sonst?
jesko bender